Rahmen

Seit ich das Fotografieren zu meinem Hobby gemacht habe, sehe ich die Welt um mich herum viel bewusster, vor allem wenn ich in der Natur unterwegs bin. Ich scanne mit meinem Blick die Landschaft ab, so als ob ich einen unsichtbaren Rahmen in den Händen halte für den ich ein passendes Motiv suche. 

Wenn ich mit anderen Menschen unterwegs bin ist mir schon oft aufgefallen, dass unsere Blickwinkel verschieden sind. Was meine Aufmerksamkeit erregt ist für den Anderen unter Umständen nicht interessant und was er anziehend findet entgeht vielleicht meinem Blick. 

Jeder trägt halt seinen eigenen Rahmen mit sich.

Mir ist bewusst geworden, dass mein Erleben ganz maßgeblich mit meiner Wahrnehmung zusammenhängt. Worauf ich meine Aufmerksamkeit richte das „nimmt mich mit in seine Welt“. 

Kennt ihr die Geschichte von Narnia, in der ein Kind in einen Kleiderschrank steigt und durch die Rückwand in eine Parallelwelt gelangt? 

Wenn mein Stimmungsbarometer eher auf dem „absteigenden Ast“ ist, frage ich mich zuweilen, in welche Welt ich abgetaucht bin? Es kann sein, dass ich mich von einem unangenehmen Ereignis in eine wolkenverhangene und sorgenschwere Welt habe entführen lassen.  

Ich sehe das Bild eines Bilderrahmens und stelle mir vor, dass ich jeweils nur einen winzigen Ausschnitt der Welt sehen kann und daher mein Weltbild nicht allgemeingültig ist. Wenn ich versuche meinem Gegenüber mein Erleben zu erklären, dann kann er es nicht unbedingt leicht nachvollziehen, weil er die Welt aus einem anderen Blickwinkel sieht. 

Manchmal treffe ich Menschen, die einen ähnlichen Blickwinkel haben, dann entsteht im Gedankenaustausch ein Gefühl von Zusammengehörigkeit, es fühlt sich ein bisschen wie nach Hause kommen an. 

Aber es kann auch sehr anregend und bereichernd sein mit Menschen zu sprechen die ganz andere Ansichten haben. Dadurch habe ich die Chance meinen Blickwinkel zu verändern. 

Ich finde es ungemein wichtig sowohl mir selbst als auch meinen Mitmenschen zu gestatten „aus dem Rahmen zu fallen“. 

Ich trage die Verantwortung für meine Lebensgestaltung und möchte meinen eigenen Rahmen setzen und sollte meinen Mitmenschen das Gleiche auch zugestehen. 

Wenn wir einander damit nicht schaden, sollten wir uns gegenseitig die Freiheit und das natürliche Recht zugestehen das Leben so zu gestalten wie wir es möchten!

Natürlich passiert es auch mir sehr oft, dass ich in Gedanken mich selbst oder Andere bewerte und maßregele, ich bin ja schließlich nicht perfekt und kann und muss es auch  nicht sein, aber es ist doch schon ein Fortschritt, wenn ich mich hin und wieder an meinen Rahmen erinnere. 

Nun könnt ihr vielleicht verstehen, warum ich so gerne Bilder mit vielen  Rahmen male.

Freundliches Wetter

Gestern lachte die Sonne mit ihrem schönsten Lächeln vom Himmel herunter und offensichtlich bis in die Herzen der Menschen hinein. Ich traf bei meiner Laufrunde am Nachmittag auf lauter freundliche Menschen. Ich registrierte teils erstaunt teils freudig überrascht, dass ich mehrfach, bevor ich meinerseits reagieren konnte, schon von Weitem mit einem „gut gelaunten Hallo“ begrüßt wurde. Das war schon etwas Besonderes.

Das frische Grün fiel mir auf und die zwei geraden Furchen im Acker. Die Philosophin in mir erwachte und ich nahm diese Furchen sinnbildlich als Wege des Lebens war und sinnierte über Lebenswege. Sie verlaufen nur streckenweise gerade. Es gibt viele Kreuzungen und Abzweigungen, vielleicht verläuft der Weg plötzlich im Sand oder wird unwegsam und unbequem oder gar unbegehbar und wir müssen umkehren oder uns einen völlig neuen Weg bahnen. Oft stehen uns mehrere Möglichkeiten zur Auswahl und wir müssen uns entscheiden, ob wir links oder rechts gehen. Manchmal fällt die Entscheidung mit einer inneren Klarheit und Gewissheit, manchmal treffen wir eine Wahl ohne zu wissen, ob nicht der andere Weg „besser“ gewesen wäre. Im Rückblick betrachtet würde ich heute so manches im Leben anders handhaben, aber das kann ich nur aus meinem jetzigen Blickwinkel so sehen, auf meinem Weg habe ich so agiert wie ich es zu dem jeweiligen Zeitpunkt konnte. Es fällt mir nicht leicht, zu akzeptieren, dass ich Fehler gemacht habe, dass ich Menschen verletzt habe oder ihnen nicht das gegeben habe, was sie von mir gebraucht hätten. Ich lerne Stück für Stück meinen Hang zum Perfektionismus loszulassen. „Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden“, ich weiß nicht, von wem dieser Ausspruch stammt, aber er hat sich für mich als wahr herausgestellt.

Der Mond begleitete auch gestern meinen Weg. Ich mag das, wenn Er am strahlend blauem Himmel sichtbar wird. Wahrscheinlich weil ich mich zur Zeit mit der Biographiearbeit beschäftige kommen mir öfter allerlei Begebenheiten aus meiner Kindheit in den Sinn. Der Mond erinnert mich an eines der herausragenden Ereignisse: Die Übertragung der ersten bemannten Mondlandung im Fernsehen. Die ganze Familie war im Wohnzimmer versammelt und es lag eine kribbelige Spannung in der Luft. Ich war zu diesem Zeitpunkt 7 Jahre alt und durfte meine erste Coca Cola trinken, das war eine absolute Ausnahme zur Feier des Tages, sonst gab es dieses Getränk nicht, schon gar nicht für mich als jüngstes Mitglied der Familie. Ich denke, dass die Erinnerungen an die Fernsehübertragung nur deshalb so deutlich erscheinen, weil ich sie später in diversen Dokumentationen noch öfter zu Gesicht bekam. Allerdings war für mich als Kind die immense und nicht vorstellbare Entfernung des Mondes zur Erde schon sehr beeindruckend. Ich schaute auch gerne in den Sternenhimmel, wenn ich Gelegenheit dazu hatte.

Ja und dann gab es gestern noch eine freudige Überraschung, ich sah am Wegesrand die ersten Gänseblümchen. Habt ihr euch früher auch Kränze daraus gebunden und ins Haar gesteckt? Ich habe als Kind auch gerne winzige Blumensträuße daraus gemacht, die fanden dann im Eierbecher ihren Platz. Heute pflücke ich keine Blumen mehr, ich mag sie am liebsten „lebendig“ in der Natur anschauen. So, das war es für dieses Mal, ich habe nun kein Foto mehr für euch.

Kreislauf der Natur

Schon von Kindheit ist mir eine tiefe Verbindung zum Rhythmus der Natur zu eigen. Mit allen Sinnen konnte ich die spezifischen Reize jeder Jahreszeit genießen. 

Ich sehe mich selbst als Kind am Winterabend , wie ich mir am Küchenfenster die Nase platt drücke, um den Tanz der Schneeflocken zu beobachten. Flocke um Flocke schwebte vor meinem Blickfeld  vorbei und wenn ich dem munteren Treiben eine Weile zuschaute, vollzog sich ein magischer Zauber, es war mir als ob die Schneeflocken durch meine Augen in mich hineinfielen oder war ich es die sich langsam und unmerklich auflöste und hinaus schwebte um sich in den Reigen einzureihen? Auf jeden Fall fühlte ich mich in eine Winterwunderwelt entführt die eine große Faszination auf mich ausübte und mich zum Träumen einlud. 

Wie hüpfte mein Herz, wenn die ersten Frühlingssonnenstrahlen ihre Wirkung entfaltet hatten und es schon warm genug war, um ohne Jacke hinaus zu gehen. Ich fühle noch heute das sanfte Streicheln der Frühlingsluft auf meiner Haut, die Strumpfhose war endlich gegen Kniestrümpfe ausgetauscht worden und ich fühlte mich so herrlich luftig leicht und frei.

Im Sommer liebte ich es rücklings auf der Wiese zu liegen und dem Spiel der Wolken zu zuschauen. Was war es für ein unvergessliches Vergnügen, wenn die Wäschewanne auf der Wiese zu einem Plantschbecken umfunktioniert wurde. In den Sommerferien, die mir als Kind unendlich lang vorkamen, durfte ich lange aufbleiben und konnte den Sternenhimmel sehen. 

Der Herbst zog mit seinem erdig fruchtigem Duft ins Land und ich freute mich jedes Jahr aufs Neue auf die ersten Äpfel, die eine unvergleichliche Geschmacksexplosion auf der Zunge entfalteten. Ich höre das Rascheln der Blätter unter meinen Füßen und höre den frischen Herbstwind der um meine Ohren pfeift. Wenn ich ganz still werde und meine Augen schließe, dann kann ich die Stimme unserer Kindergartenschwester Anita hören, wie sie das Lied: „Hejo, spann den Wagen an, denn der Wind treibt Regen übers Land, hol die gold‘nen Garben, hol die gold‘nen Garben.“ anstimmt.

Mit zunehmendem Alter wurde mir bewusst, dass auch mein Leben sich in ebensolchen Rhythmen wie die Natur bewegt. 

Meine Mutter hatte mich schon als kleines Kind, wenn ich traurig war mit den Worten getröstet: „ Auf Regen folgt auch wieder Sonnenschein!“ oder: „ Der nächste Sommer kommt bestimmt!“

Ich erinnere mich auch in anderem Zusammenhang an Sprüche wie: „Es kann nicht immer die Sonne scheinen, denn das Land braucht auch den Regen!“

Ich bin sehr dankbar, dass ich hier in unseren Breitengraden lebe, in denen die Jahreszeiten so unverkennbar spürbar sind, wenn auch mittlerweile durch den Klimawandel leider teilweise durcheinander gebracht. Die Vorstellung in einem Land zu leben in dem es auch im Winter nie richtig kalt wird fällt mir schwer. Ich schätze die individuellen Qualitäten mit denen Frühling, Sommer, Herbst und Winter daher kommen sehr. Sie wirken auf mich im wahrsten Sinne des Wortes belebend, weil sie mich mit dem Leben verbinden.

Heute ist meine Bilderserie der Jahreszeiten fertig geworden und hängt nun in unserem Wohnzimmer.

Farben für die Seele

Versunken in meine Farben sitze ich in meinem Arbeitszimmer, das zur Zeit als Malatelier dient. Pinsel und Stifte tanzen geführt von meiner Hand über das Papier. Draußen ist die Welt schon seit Tagen nass, kalt und grau, ganz anders die Welt auf meinen Bildern: Da entfalten sich die Farben nach Lust und Laune und hinterlassen auch auf meiner Seele bunte Tupfer.

Wenn ich meiner Kreativität erlaube sich frei zu entfalten, bin ich ganz im Hier und Jetzt, da bleibt kein Raum für trübe Gedanken. Das ist für mich die beste Strategie um mir selber positive Kraft zu verschaffen. Und was ist eure Strategie, was tut euch gut und bringt euch in euer Gleichgewicht?

Bewegung und Ruhe

Heute bin ich nun nach einer Pause mal wieder hier und möchte euch ein paar Zeilen hinterlassen. Dieser erste Monat des neuen Jahres war bis heute sehr bewegt im positiven Sinne, ja ich glaube dieses Wort trifft die Qualität ganz gut. Manchmal ist das bei mir so, wenn ich innerlich bewegt bin, dass ich dann nach außen eher ruhig werde. Ich glaube es liegt daran, dass ich Ruhe brauche, um alles zu verarbeiten. Aber in der Natur ist im Moment ja auch Ruhe eingekehrt und das wirkt sich auch auf mich aus, manchmal brauchen wir Zeit zum Kraftsammeln. In diesemJahr ist es mir wieder so bewusst geworden, als ich die Weihnachtsdekorationen eingepackt hatte, dass ich die nun entstandene Leere im Zimmer so richtig genießen kann. Ich lasse es meist eine ganze Zeit so und es ist für mich wie eine wohltuendes bewusstes Atemholen. Vor ein paar Tagen las ich in unserer Tageszeitung im Regionalteil einen Bericht über zwei Künstlerinnen, die gemeinsam ihre Bilder ausstellen. Eine der Beiden gestaltet auf eine für mich sehr ansprechende Weise ihre Bilder mit so einer Art gemalter Monatscollage, in der sie auf ihre Erlebnisse in dieser Zeit darstellt, jeder Tag hat ein eigenes Kästchen mit gezeichneten Symbolen. Weil mir zur Zeit die Worte fehlen um all das auszudrücken, was ich erlebt habe, habe ich hier auf meinem IPad ganz simpel und ohne künstlerischen Anspruch den bisherigen Monatsverlauf gezeichnet, inspiriert von den beschriebenen Monatscollagen aber in lockerer Form und nicht speziell für jeden Tag ein Kästchen. Es hat Freude gemacht und den Rückblick auf diese Weise empfinde ich als wohltuend.

Ganz liebe Grüße an euch da draußen. Ich möchte heute einmal Danke sagen für jeden lieben Kommentar, den ich hier lesen darf, für mich ein spürbares und wertvolles Zeichen der Verbundenheit mit euch.

Sonne und Mond

Gestern lockte mich die Sonne erneut zu einer Wanderung hinaus ins Feld. Sie tauchte die Landschaft und ein wunderbar freundlich strahlendes Kleid. Auch der Mond wurde von ihrem hellen Schein in Szene gesetzt.

So begleiteten mich beide auf meinem Weg.

Es ist doch immer wieder faszinierend anzuschauen, wie die Natur im Fokus des Sonnenlichtes zu neuem Glanz erstrahlt. Hier ein Blick über die Friedhofsmauer.

Letztes Jahr wurde hier der Bachlauf renaturiert und bietet nun ein malerisches Bild.

Und der nähere Blick auf die Mauer zeigt das in der Sonne leuchtende Moos.

Als ich nach Hause kam bereitete ich mir eine meiner Lieblingsspeisen: „Grüne Quiche“, so wurde sie von einer Bekannten genannt, von der ich das Rezept bekommen habe. Äußerlich betrachtet passt dieser Name nicht so gut zu ihr, aber wenn man auf die „inneren Werte“ schaut, dann rechtfertigt der Anteil an Grünkernmehl diesen Namen. Sie ist vegetarisch und mit frisch gemahlenen Getreidekörnern (Dinkel und Grünkern) zubereitet. Wie mir auch schon einige meiner Freundinnen bestätigt haben schmeckt sie köstlich: Heiß und kalt.

Ein König sitzt stolz in seinem Zimmer – oder wie sich Schreibblockaden lösen lassen

„Ein König sitzt stolz in seinem Zimmer, prächtig umhüllt von Schein und Schimmer.“
Was für ein merkwürdiger Satz! Ich habe ihn zusammengesetzt aus lauter Wortplättchen, die ich kürzlich beim Flohmarkt gekauft habe. „Kühlschrankpoesie“ stand auf der Schachtel, die wie ein Schatzkästchen anmutete, gefüllt mit Wörtern auf kleinen magnetischen Plättchen. Ich dachte mir, das sei eventuell ein geeignetes Mittel um meine gelegentlichen Schreibblockaden zu lösen.
Aber was soll man denn bloß mit einem König anfangen, der stolz und selbstzufrieden in seinem Zimmer herum sitzt? Keine Ahnung! Umhüllt von Schein und Schimmer ist er wahrscheinlich unfähig über den Tellerrand seiner pompösen Welt hinaus zu blicken.
Ich bleibe in Gedanken an dem Wort „Tellerrand“ hängen. Jeder hat seinen eigenen Tellerrand. Kürzlich las ich, dass sich jeder mit seinem ureigenen Blickwinkel, der durch die individuellen Erfahrungen geprägt ist, quasi seine eigene Welt erschafft. Wir sehen also demnach nicht die Realität sondern das was wir dafür halten. Dann stellt sich natürlich die Frage, ob es überhaupt eine Realität gibt? Aber das ist wohl ein anderes Thema .
Aber ich kann es nicht ganz von der Hand weisen, denn habe ich doch schon oft erlebt, dass sich miese Laune bereitwillig wie eine Brille auf die Augen setzt und den ganzen Tag in graue Farben hüllt. Eine gleichsam erhellende Wirkung kann ein freudiges Erlebnis erzielen.
Schon erstaunlich, zu welchen Gedankenflügen mich ein selbstgenügsamer König verleitet. Meine Augen wandern wieder über die Metalltafel, die über und über mit Wörtern gefüllt ist. Bei meinem Streifzug sammle ich mir hier und da ein Wort ein, welches mich anzieht und ich forme meine Ausbeute Stück um Stück zu einem Reim:

Zärtlich pflücke tausend Zauber
küsst dein Blick das Himmelslicht
Tropft der Quelle zartes Lächeln
sonnentrunken ins Gesicht

An dieser Stelle passt nun das Foto, welches ich heute Morgen bei meiner Wanderung gemacht habe.

Es war ein sehr guter Morgen, weil ich ohne über die tausend Gründe nachzudenken, die mich hätten davon abhalten können in meine Laufschuhe zu schlüpfen, einfach loslief. Ohne Ziel habe ich mich „gehenlassen“ und bin schließlich nach 7,6 km glücklich und zufrieden wieder zu Hause angekommen.
Nun wünsche ich allen Lesern die bis hierhin durchgehalten haben eine gute Nacht oder je nachdem zu welcher Zeit ihr mich hier besucht einen guten Tag, ganz wie es beliebt! 😉



Teleportation

Ich sitze im Wohnzimmer auf meinem gemütlichen Sessel und schaue hinaus zum Fenster. Vor dem Fenster steht eine Palme auf deren Blättern sich die Sonnenstrahlen spiegeln. Ich genieße diesen Augenblick und das Gefühl, dass die Sonne durch meine Augen Raum in mir nimmt und meine Seele erhellt.

Mit meinen Gedanken wandere ich in meine Kindheit und suche nach Erinnerungen an Momente wie diesen. Meine Liebe und den besonderen Bezug zur Natur kommt mir in den Sinn und ich frage mich woher dieser stammt?

Meine Kindheit verbrachte ich in einem kleinen Dorf. Natur in unmittelbarer Umgebung ließ sich fast ausschließlich in Form von Ackerbau finden.

Ach ja, da gab es diesen kleinen Streifen mit Bäumen am Feldrand.
Ich erinnere mich daran, dass ich mit Freunden dort einmal ein Baumhaus gebaut habe und wenn wir uns dort aufhielten, war es uns völlig egal wie groß die Fläche mit Bäumen war, wir schauten nicht um uns herum sondern befanden uns gegenwärtig am perfekten Ort für unser Spiel. Es gab dort auch eine verfallene Burg die von einem Wassergraben umgeben war. Aufgrund ihrer Baufälligkeit konnte man nicht ganz an sie heran, aber wir bahnten uns einen Weg durch das Gestrüpp und schlichen dort heimlich herum. Das Gelände mutete für mich wie ein kleiner Urwald an. Ich kann heute noch das mulmige Gefühl in der Magengegend spüren, dass von kindlicher Phantasie geschürt wurde: „Was wäre, wenn diese Burg jetzt wo wir gerade so nah heran gekommen sind, plötzlich einstürzt?“

Hinter unserem Haus hatten wir einen kleinen Garten mit einer Wiese auf der eine sogenannte „Wäschespinne“ stand. „Tapsi“, unser Dackel hatte es sich zur Aufgabe gemacht die dort aufgehängte Wäsche mit dem ganzen Ernst und Eifer den seine kleine Hundeseele aufbrachte gegen etwaige Feinde zu verteidigen. Beim kleinsten Rascheln im Nachbargarten wurde er zum gefürchteten Raubtier, er fletschte seine Zähne und bellte was das Zeug hielt. Am Rand der Wiese befanden sich wenige, schmale Gemüsebeete und in einer Ecke stand ein Fliederbaum, dessen lila Blüten einen betörenden Duft verbreiteten. Unser Garten und zuweilen auch der Nachbargarten, der herrlich verwildert war und in den wir heimlich einstiegen um dort den Reiz des Verbotenen auszukosten, gehörten zu meine liebsten Spielplätzen. Seit ich denken kann hielt ich mich sehr gerne draußen auf.

In jugendlichem Alter zog ich mit meinen Eltern in die landschaftlich wunderschöne Vorderpfalz wo ich auch heute noch lebe. Im Vergleich zu dieser Landschaft verschwamm der Ort meiner Kindheit in meiner Erinnerung zu einem unscheinbaren Ort, wie in graue Alltagskleider gehüllt. Aber heute habe ich mich in meiner Gedankenreise zur Kindheit auf wundersame Weise in einem kleinen Paradies wiedergefunden.

Mir wird bewusst, dass mir schon als Kind die Fähigkeit zu eigen war, mich ohne Mühe mit spielerischer Leichtigkeit innerhalb von Sekunden in eine andere Welt zu begeben, wie so oft in Science-Fiktion- Filmen als Teleportation gezeigt. Deshalb war ich weitgehend unabhängig von den Gegebenheiten der Außenwelt, es brauchte nicht viel, nur ein winziger Streifen Natur reichte aus für die Reise in ein wunderbares Abenteuerland.

Eintauchen in den Moment
wie in einen See
auf dem Rücken liegend
mich vom Wasser tragen lassen
eins werden mit den Wolken über mir
und die Welt um mich herum vergessen


Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit?

Der Pessimist findet überall Beweise dafür, dass die Welt schlecht ist und der Optimist lässt sich jeden Tag aufs Neue davon überzeugen, dass der Pessimist auf einem Auge blind ist.

Während meiner Weiterbildung zur Lehrerin für Stressprävention haben wir uns mit diversen Untersuchungen zur sogenannten „Unaufmerksamkeitsblindheit“ beschäftigt. Wer daran Interesse hat, kann hier und hier Informationen dazu finden. Mir ist dieses Thema heute in den Sinn gekommen, als ich den neuen Beitrag von Ruthie anschaute. „I see faces“ gibt es ja nun schon sehr lange Zeit und ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass Ruthie immer neue Gesichter entdeckt. Ich habe dann meine Aufmerksamkeit heute mal auf Entdeckungsreise geschickt und ,siehe da, es haben mich gleich zwei Gesichter angeschaut:

Ich habe mir bewusst keine Vorsätze für das neue Jahr gemacht, denn ich glaube daran, dass jeder Tag, jede Minute oder sogar Sekunde die Möglichkeit zum Neubeginn bietet. Nicht erst seit heute anlässlich des Jahreswechsels übe ich mich also in der Gelassenheit. „Die Köllner“ (zu denen ich mich auch zählen darf) drücken es wie folgt aus: „Et ess wie et ess und et kütt wie et kütt“. Will heißen: „ Es ist wie es ist und es kommt wie es kommt.“

Mir ist ein gewisser Hang zur Kontrolle eigen, deshalb stellt mich mein „Naturell“ diesbezüglich immer wieder vor Herausforderungen. Annehmen was ist, bedeutet also auch, sich unangenehmen Gefühlen zu stellen, sich nicht gegen das was nicht zu ändern ist zur Wehr zu setzten und dabei unnötige Energien zu verschwenden.
Aber es soll auch nicht in eine resignierte Passivität oder Opferhaltung münden, daher gilt es zu erkennen wo Potential zur Veränderung ist. Und da sind wir wieder beim Thema „Unaufmerksamkeitsblindheit“. Ich möchte mich ganz bewusst auf die positiven Ereignisse des Lebens fokussieren, denn das weckt ungeahnte Kräfte die sich sinnvoll nutzen lassen, um nicht nur mir selbst das Leben sinnvoller und angenehmer zu gestalten. Ich werde sehen, welche Möglichkeiten sich auftun: Heute, morgen und an jedem neuen Tag.

Ein Zauberer ging durch das Land

Über Nacht ging ein Zauberer durchs Land und schwang seinen Zauberstab mit geübter Hand.

Beim Spaziergang am Morgen traute ich meinen Augen kaum, denn in jeder Pfütze spiegelte sich ein neuer Traum.

Ich tauchte ein in eine andere Welt, als hätte sich ein Märchenerzähler zu mir gesellt.

Ganz hingebungsvoll lauschte ich seinen Geschichten, es waren so viele, d‘rum kann ich euch nicht alle berichten.

Aber die wundersamsten will ich euch beschreiben, sie werden mir ewig in Erinnerung bleiben:

Ein kleiner Wicht „zeigte mir eine lange Nase.

Ein Hund biss einem Fisch in den Schwanz.

Ein Geist hatte sein  Baby auf dem Schoss.

Ein müder Elch hatte sich zur Ruh gelegt.

Eine Gans war ganz allein unterwegs.