Sonne und Mond

Gestern lockte mich die Sonne erneut zu einer Wanderung hinaus ins Feld. Sie tauchte die Landschaft und ein wunderbar freundlich strahlendes Kleid. Auch der Mond wurde von ihrem hellen Schein in Szene gesetzt.

So begleiteten mich beide auf meinem Weg.

Es ist doch immer wieder faszinierend anzuschauen, wie die Natur im Fokus des Sonnenlichtes zu neuem Glanz erstrahlt. Hier ein Blick über die Friedhofsmauer.

Letztes Jahr wurde hier der Bachlauf renaturiert und bietet nun ein malerisches Bild.

Und der nähere Blick auf die Mauer zeigt das in der Sonne leuchtende Moos.

Als ich nach Hause kam bereitete ich mir eine meiner Lieblingsspeisen: „Grüne Quiche“, so wurde sie von einer Bekannten genannt, von der ich das Rezept bekommen habe. Äußerlich betrachtet passt dieser Name nicht so gut zu ihr, aber wenn man auf die „inneren Werte“ schaut, dann rechtfertigt der Anteil an Grünkernmehl diesen Namen. Sie ist vegetarisch und mit frisch gemahlenen Getreidekörnern (Dinkel und Grünkern) zubereitet. Wie mir auch schon einige meiner Freundinnen bestätigt haben schmeckt sie köstlich: Heiß und kalt.

Ein König sitzt stolz in seinem Zimmer – oder wie sich Schreibblockaden lösen lassen

„Ein König sitzt stolz in seinem Zimmer, prächtig umhüllt von Schein und Schimmer.“
Was für ein merkwürdiger Satz! Ich habe ihn zusammengesetzt aus lauter Wortplättchen, die ich kürzlich beim Flohmarkt gekauft habe. „Kühlschrankpoesie“ stand auf der Schachtel, die wie ein Schatzkästchen anmutete, gefüllt mit Wörtern auf kleinen magnetischen Plättchen. Ich dachte mir, das sei eventuell ein geeignetes Mittel um meine gelegentlichen Schreibblockaden zu lösen.
Aber was soll man denn bloß mit einem König anfangen, der stolz und selbstzufrieden in seinem Zimmer herum sitzt? Keine Ahnung! Umhüllt von Schein und Schimmer ist er wahrscheinlich unfähig über den Tellerrand seiner pompösen Welt hinaus zu blicken.
Ich bleibe in Gedanken an dem Wort „Tellerrand“ hängen. Jeder hat seinen eigenen Tellerrand. Kürzlich las ich, dass sich jeder mit seinem ureigenen Blickwinkel, der durch die individuellen Erfahrungen geprägt ist, quasi seine eigene Welt erschafft. Wir sehen also demnach nicht die Realität sondern das was wir dafür halten. Dann stellt sich natürlich die Frage, ob es überhaupt eine Realität gibt? Aber das ist wohl ein anderes Thema .
Aber ich kann es nicht ganz von der Hand weisen, denn habe ich doch schon oft erlebt, dass sich miese Laune bereitwillig wie eine Brille auf die Augen setzt und den ganzen Tag in graue Farben hüllt. Eine gleichsam erhellende Wirkung kann ein freudiges Erlebnis erzielen.
Schon erstaunlich, zu welchen Gedankenflügen mich ein selbstgenügsamer König verleitet. Meine Augen wandern wieder über die Metalltafel, die über und über mit Wörtern gefüllt ist. Bei meinem Streifzug sammle ich mir hier und da ein Wort ein, welches mich anzieht und ich forme meine Ausbeute Stück um Stück zu einem Reim:

Zärtlich pflücke tausend Zauber
küsst dein Blick das Himmelslicht
Tropft der Quelle zartes Lächeln
sonnentrunken ins Gesicht

An dieser Stelle passt nun das Foto, welches ich heute Morgen bei meiner Wanderung gemacht habe.

Es war ein sehr guter Morgen, weil ich ohne über die tausend Gründe nachzudenken, die mich hätten davon abhalten können in meine Laufschuhe zu schlüpfen, einfach loslief. Ohne Ziel habe ich mich „gehenlassen“ und bin schließlich nach 7,6 km glücklich und zufrieden wieder zu Hause angekommen.
Nun wünsche ich allen Lesern die bis hierhin durchgehalten haben eine gute Nacht oder je nachdem zu welcher Zeit ihr mich hier besucht einen guten Tag, ganz wie es beliebt! 😉



Teleportation

Ich sitze im Wohnzimmer auf meinem gemütlichen Sessel und schaue hinaus zum Fenster. Vor dem Fenster steht eine Palme auf deren Blättern sich die Sonnenstrahlen spiegeln. Ich genieße diesen Augenblick und das Gefühl, dass die Sonne durch meine Augen Raum in mir nimmt und meine Seele erhellt.

Mit meinen Gedanken wandere ich in meine Kindheit und suche nach Erinnerungen an Momente wie diesen. Meine Liebe und den besonderen Bezug zur Natur kommt mir in den Sinn und ich frage mich woher dieser stammt?

Meine Kindheit verbrachte ich in einem kleinen Dorf. Natur in unmittelbarer Umgebung ließ sich fast ausschließlich in Form von Ackerbau finden.

Ach ja, da gab es diesen kleinen Streifen mit Bäumen am Feldrand.
Ich erinnere mich daran, dass ich mit Freunden dort einmal ein Baumhaus gebaut habe und wenn wir uns dort aufhielten, war es uns völlig egal wie groß die Fläche mit Bäumen war, wir schauten nicht um uns herum sondern befanden uns gegenwärtig am perfekten Ort für unser Spiel. Es gab dort auch eine verfallene Burg die von einem Wassergraben umgeben war. Aufgrund ihrer Baufälligkeit konnte man nicht ganz an sie heran, aber wir bahnten uns einen Weg durch das Gestrüpp und schlichen dort heimlich herum. Das Gelände mutete für mich wie ein kleiner Urwald an. Ich kann heute noch das mulmige Gefühl in der Magengegend spüren, dass von kindlicher Phantasie geschürt wurde: „Was wäre, wenn diese Burg jetzt wo wir gerade so nah heran gekommen sind, plötzlich einstürzt?“

Hinter unserem Haus hatten wir einen kleinen Garten mit einer Wiese auf der eine sogenannte „Wäschespinne“ stand. „Tapsi“, unser Dackel hatte es sich zur Aufgabe gemacht die dort aufgehängte Wäsche mit dem ganzen Ernst und Eifer den seine kleine Hundeseele aufbrachte gegen etwaige Feinde zu verteidigen. Beim kleinsten Rascheln im Nachbargarten wurde er zum gefürchteten Raubtier, er fletschte seine Zähne und bellte was das Zeug hielt. Am Rand der Wiese befanden sich wenige, schmale Gemüsebeete und in einer Ecke stand ein Fliederbaum, dessen lila Blüten einen betörenden Duft verbreiteten. Unser Garten und zuweilen auch der Nachbargarten, der herrlich verwildert war und in den wir heimlich einstiegen um dort den Reiz des Verbotenen auszukosten, gehörten zu meine liebsten Spielplätzen. Seit ich denken kann hielt ich mich sehr gerne draußen auf.

In jugendlichem Alter zog ich mit meinen Eltern in die landschaftlich wunderschöne Vorderpfalz wo ich auch heute noch lebe. Im Vergleich zu dieser Landschaft verschwamm der Ort meiner Kindheit in meiner Erinnerung zu einem unscheinbaren Ort, wie in graue Alltagskleider gehüllt. Aber heute habe ich mich in meiner Gedankenreise zur Kindheit auf wundersame Weise in einem kleinen Paradies wiedergefunden.

Mir wird bewusst, dass mir schon als Kind die Fähigkeit zu eigen war, mich ohne Mühe mit spielerischer Leichtigkeit innerhalb von Sekunden in eine andere Welt zu begeben, wie so oft in Science-Fiktion- Filmen als Teleportation gezeigt. Deshalb war ich weitgehend unabhängig von den Gegebenheiten der Außenwelt, es brauchte nicht viel, nur ein winziger Streifen Natur reichte aus für die Reise in ein wunderbares Abenteuerland.

Eintauchen in den Moment
wie in einen See
auf dem Rücken liegend
mich vom Wasser tragen lassen
eins werden mit den Wolken über mir
und die Welt um mich herum vergessen


Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit?

Der Pessimist findet überall Beweise dafür, dass die Welt schlecht ist und der Optimist lässt sich jeden Tag aufs Neue davon überzeugen, dass der Pessimist auf einem Auge blind ist.

Während meiner Weiterbildung zur Lehrerin für Stressprävention haben wir uns mit diversen Untersuchungen zur sogenannten „Unaufmerksamkeitsblindheit“ beschäftigt. Wer daran Interesse hat, kann hier und hier Informationen dazu finden. Mir ist dieses Thema heute in den Sinn gekommen, als ich den neuen Beitrag von Ruthie anschaute. „I see faces“ gibt es ja nun schon sehr lange Zeit und ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass Ruthie immer neue Gesichter entdeckt. Ich habe dann meine Aufmerksamkeit heute mal auf Entdeckungsreise geschickt und ,siehe da, es haben mich gleich zwei Gesichter angeschaut:

Ich habe mir bewusst keine Vorsätze für das neue Jahr gemacht, denn ich glaube daran, dass jeder Tag, jede Minute oder sogar Sekunde die Möglichkeit zum Neubeginn bietet. Nicht erst seit heute anlässlich des Jahreswechsels übe ich mich also in der Gelassenheit. „Die Köllner“ (zu denen ich mich auch zählen darf) drücken es wie folgt aus: „Et ess wie et ess und et kütt wie et kütt“. Will heißen: „ Es ist wie es ist und es kommt wie es kommt.“

Mir ist ein gewisser Hang zur Kontrolle eigen, deshalb stellt mich mein „Naturell“ diesbezüglich immer wieder vor Herausforderungen. Annehmen was ist, bedeutet also auch, sich unangenehmen Gefühlen zu stellen, sich nicht gegen das was nicht zu ändern ist zur Wehr zu setzten und dabei unnötige Energien zu verschwenden.
Aber es soll auch nicht in eine resignierte Passivität oder Opferhaltung münden, daher gilt es zu erkennen wo Potential zur Veränderung ist. Und da sind wir wieder beim Thema „Unaufmerksamkeitsblindheit“. Ich möchte mich ganz bewusst auf die positiven Ereignisse des Lebens fokussieren, denn das weckt ungeahnte Kräfte die sich sinnvoll nutzen lassen, um nicht nur mir selbst das Leben sinnvoller und angenehmer zu gestalten. Ich werde sehen, welche Möglichkeiten sich auftun: Heute, morgen und an jedem neuen Tag.

Ein Zauberer ging durch das Land

Über Nacht ging ein Zauberer durchs Land und schwang seinen Zauberstab mit geübter Hand.

Beim Spaziergang am Morgen traute ich meinen Augen kaum, denn in jeder Pfütze spiegelte sich ein neuer Traum.

Ich tauchte ein in eine andere Welt, als hätte sich ein Märchenerzähler zu mir gesellt.

Ganz hingebungsvoll lauschte ich seinen Geschichten, es waren so viele, d‘rum kann ich euch nicht alle berichten.

Aber die wundersamsten will ich euch beschreiben, sie werden mir ewig in Erinnerung bleiben:

Ein kleiner Wicht „zeigte mir eine lange Nase.

Ein Hund biss einem Fisch in den Schwanz.

Ein Geist hatte sein  Baby auf dem Schoss.

Ein müder Elch hatte sich zur Ruh gelegt.

Eine Gans war ganz allein unterwegs.

24. Dezember – Doppelte Weihnachtsfreude

Doppelte Weihnachtsfreude
Auch wenn das Geld meines Vaters knapp bemessen war, so ließ er es sich dennoch nicht nehmen, für jedes Familien Mitglied ein liebevoll ausgewähltes Weihnachtsgeschenk zu kaufen.
Eines Tages wurde er allerdings auf wundersame Weise ganz unerwartet beim Einkauf des Geschenkes, welches meiner Mutter zugedacht war, selbst zum Beschenkten.
Beim Bummel durch die Stadt hatte er vor dem Schaufenster einer Parfümerie Halt gemacht, in dem einige Kosmetiktäschchen mit entsprechendem Inhalt in sehr hübschem Design ausgestellt waren.
Vor jeder Tasche standen kleine schwarze Täfelchen mit jeweils einer Ziffer, die nebeneinander aufgereiht den Preis anzeigten.
Sein Blick blieb auf einer Tasche in der hinteren Reihe hängen, die mit einem Flakon des Lieblingsduftes meiner Mutter und einem passenden Badezusatz bestückt war.
Der Preis war zwar nicht unerheblich, aber er dachte, er wäre gerade noch im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Daher ging er in das Geschäft und ließ sich die ausgewählte Tasche als Geschenk verpacken.
Als der Verkäufer ihm aber den Preis nannte, stockte meinem Vater vor Schreck der Atem und als er fassungslos nachfragte, weil er dem Preisschild im Schaufenster einen um einiges geringeren Preis entnommen hatte, stellte sich heraus, dass eines der kleinen Täfelchen umgekippt war und aus diesem Grund der falsche Preis angezeigt wurde.
Traurig sagte mein Vater, dass er sich das nicht leisten könne und bat verschämt um Verzeihung während er sich schon in Richtung Ausgang wendete.
Da ließ sich aus dem Hintergrund die Stimme des Ladenbesitzers vernehmen, die zu dem Verkäufer sagte: „Der Herr bekommt die Tasche zu dem Preis den er gesehen hat, denn schließlich ist doch bald Weihnachten!“
Ihr könnt euch vorstellen wie erstaunt mein Vater war und wie liebevoll sein Herz von dieser Großzügigkeit berührt wurde.
Als alle Geschenke am Weihnachtsmorgen ausgepackt waren, begann mein Vater von seinem außergewöhnlichen Erlebnis zu erzählen.
In unseren Herzen wurde es dabei sehr warm und es war als ob sich ein ganz besonderer Glanz im weihnachtlichen Zimmer ausbreitete.
Von diesem Tag an trugen wir alle dieses wundersame Ereignis wie einen verborgenen Schatz mit uns und an jedem Weihnachtsfest breitete sich erneut dieser zauberhafte Glanz in unserem Zimmer aus, wenn wir uns an dieses außergewöhnliche Erlebnis erinnerten und unsere Weihnachtsfreude wurde dadurch mindestens doppelt so groß.

Nach einer wahren Begebenheit, die mir eine Freundin erzählte.
Beate Neufeld

23. Dezember – Weihnachtliche Vorfreude

Weihnachtliche Vorfreude

Wenn es einen Experten für weihnachtliche Vorfreude gibt, dann war das mein Großvater, da bin mir ich ganz sicher!
Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht schon lange vor Weihnachten mein Weihnachtsgeschenk fertigzustellen. Niemals hätte er ein Geschenk gekauft, nicht weil er zu geizig dazu war, nein er sagte immer mit dem Brustton der Überzeugung: “ Nur ein Geschenk das man selber gemacht hat ist ein richtiges Geschenk, weil da Liebe drin steckt.“
Ja und Liebe hatte mein Großvater Gustav jede Menge zu geben und das nicht nur in Form von handgemachten Geschenken.
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er einmal keine Zeit gehabt hätte, wenn ich ihn besuchen wollte. Wenn er das Klacken des Gartentörchens hörte, stand er meist schon in der offenen Haustür, bevor ich den Weg zum Haus auch nur zur Hälfte zurück gelegt hatte. Jedes Mal strahlten seine Augen und freudig breitet er beide Arme aus und rief mir zu: “ Hummelchen, komm flieg!“
Dann rannte ich los und ließ mich von ihm auffangen und wild herumwirbeln.
Ganz besonders spannend war es, wenn ich ihn in der Adventszeit besuchte.
Mein Geschenk bewahrte er in jedem Jahr unter seinem Bett auf.
Am ersten Adventssonntag ging es schon los.
Er machte ein sehr geheimnisvolles Gesicht und lockte mich mit leiser Stimme: „Na, meine Kleine, was meinst du, wollen wir mal spinksen?“
Dann legten wir uns ganz nahe bei der Zimmertür, also im weit möglichsten Abstand zum Bett, bäuchlings nebeneinander auf den Boden und ich spähte wie mit Adleraugen in die Ecke, in der ich das Geschenk vermuten konnte. Es stand stets im hintersten Winkel ganz an der Wand.
Da es draußen um diese Zeit schon dunkel war und das Licht im Schlafzimmer für unsere heimliche Spionage-Mission natürlich nicht eingeschaltet wurde, konnte ich nichts erkennen.
Aber selbst dieses „Garnichts“ war schon so aufregend, dass es in meinem Bauch zu kribbeln begann.
Am nächsten sowie an allen darauffolgenden Tagen wurde dieses Prozedere wiederholt.
Aber mein Großvater hatte natürlich eine Steigerung eingeplant . Vom ersten Tag an zog er mit einem Bleistift und einem Lineal einen Strich auf die Stelle des Bodens, die mein Kinn beim Spinksen berührt hatte. Jeden weiteren Tag durfte das Kinn 1cm weiter nach vorne und so stieg die Spannung von Tag zu Tag und es wurde immer kribbeliger in meinem Bauch.
Auch wenn ich bis zum 4. Adventssonntag außer einem schattenhaften Umriss nichts erkennen konnte, werde ich diese Vorfreude, die mein Großvater mit seiner Inszenierung hervorgelockt hatte, niemals vergessen. Selbst heute noch liegt für mich mit dieser Erinnerung immer noch ein ganz besonderer Zauber über der Vorweihnachtszeit.

Es muss wohl an den Genen liegen, denn mein Vater hatte, inspiriert von seinem Vater, ebenfalls eine ganz spezielle Methode entwickelt, um mit Spannung meine Vorfreude zu steigern.
Er veranstaltete mit mir ein Rätselraten. Mit verschwörerischer Stimme raunte er: Soll ich dir etwas über dein Geschenk verraten?
An jedem Tag verriet er mir ein klitzekleines Detail über meine zu erwartenden Weihnachtsgabe. Am eindrucksvollsten ist mir dieses adventliche Erlebnis aus dem Jahr, in dem ich meinen 6. Geburtstag gefeiert hatte in Erinnerung.
Es ging los mit dem Hinweis:“ Du kannst es so weit ziehen.“ Und er streckte dabei seinen rechten Arm weit über seinen Kopf und den linken Arm fast bis zu seinem Knie. Oh wie war das spannend, was sich in meinem Kopf dazu für Ideen entwickelten.
Ein paar Tage später meinte mein Vater, es sei Zeit für den nächsten Hinweis und er verriet: „Du kannst es auch so ziehen.“ Und er streckte seine rechte Hand seitwärts zur rechten Seite und die linke Hand zur linken Seite. Meine Güte, ein so dehnbares Ding , was konnte das nur für ein wunderbares Geschenk sein.
Beim nächsten Mal eröffnete er mir die Aussicht darauf, dass das Geschenk sich auch an die Wand hängen ließ. Nach weiteren Tagen in denen die Spannung und Vorfreude weiter in mir gewachsen waren, sagte er, dass es sich auch um meinen Bauch binden ließe. In meinem Kopf entstanden die vielfältigsten Fantasien und die das Kribbeln war kaum noch auszuhalten.
Eines steht fest, in dem besagten Jahr habe ich eine ganz besondere Lektion für mein Leben gelernt: Die Vorfreude ist die schönste Freude,!
Dieses Sprichwort erwies sich als absolut wahr und ich wusste es genau in dem Moment, als ich am Weihnachtsmorgen mein Geschenk in den Händen hielt:
Eine funkelniegelnagelneue Strumpfhose!

Von Kindheitserzählungen einer Freundin inspiriert
Beate Neufeld

22. Dezember – Der kleine bunte Stern

Der kleine bunte Stern

Es war einmal ein sehr sehr kleiner Stern. Er war der Kleinste in seinem Sternenhaufen. Schon viele Millionen Jahre strahlte er neben seinen Sternengeschwistern. Diese nahmen ihn aber nicht ernst, weil er so winzig war. Den lieben langen Tag schwatzten und lachten sie miteinander und hatten Wichtigeres zu tun, als sich mit dem Winzling zu befassen.
Ihr Lieblingsbeschäftigung war es, sich vom Glanz der Sonne, dem größten aller Sterne bescheinen zu lassen. Sie wurden nicht müde ihr nachzueifern und verbrachten daher die meiste Zeit des Tages damit, sich gegenseitig ihre Strahlen zu polieren.
Den winzig kleinen Stern störte es eigentlich gar nicht, dass er nicht beachtet wurde, denn er schaute sehr gerne auf die Erde hinunter und beobachtete was da vor sich ging.
Die größte Freude bereitete es ihm, wenn er durch die Fenster in die Häuser der Menschen blicken und Anteil an ihrem Leben nehmen konnte.
Unermesslich viele Stunden hatte er damit schon zugebracht.
Ein besonderes Vergnügen bereitet es ihm, wenn er die Kinder beobachtete, wie sie ausgelassen lachten und spielten, da hüpfte auch in ihm sein kleines Sternenherz vor Freude.
Aber er sah auch die traurigen Ereignisse und da wurde ihm sein Herz schwer.
So konnte es mit den Jahren geschehen dass sich sein Aussehen veränderte.
Er erstrahlte nicht mehr in einem makellosen Glanz, weil alle Farben des Lebens sich nun in ihm spiegelten, nicht nur die hellen und strahlenden, sondern auch die dunkeln und matten.
Seine Sternengeschwister hatten die Veränderung lange nicht bemerkt, zu sehr waren sie damit beschäftigt ihre Größe und ihr Strahlen miteinander zu vergleichen. Eines Tages aber schaute einer von ihnen den Kleinen fassungslos an und stupste den Stern neben sich in die Seite: „Schau dir mal den Winzling an, der sieht merkwürdig aus, irgendwie schmutzig und gar nicht schön.“
Als die anderen Sterne im Sternhaufen darauf aufmerksam wurden, begannen auch sie abfällig über ihn zu reden. „Was schaust du auch die ganze Zeit auf die Erde herunter, kein Wunder das du so glanzlos geworden bist. Wir Sterne sind dazu bestimmt, unseren Glanz zu pflegen.“
Der winzig kleine Stern wurde traurig als er die Worte der anderen Sterne hörte, die aber schon bald wieder das Interesse an ihm verloren und sich ihrer Glanzpflege widmeten.
Dann kam er, der Abend an dem etwas ganz Besonderes geschah.
Der kleine bunte Stern schaute wie schon an den vergangenen Abenden in das Fenster von Florian, der auch heute wieder in seinem Zimmer saß und weinte.
Seine Mutter kam herein und nahm ihn tröstend in den Arm.
Florian wollte sich gar nicht beruhigen lassen.
Der kleine bunte Stern wusste, warum der Junge so untröstlich war. Vor nicht allzu langer Zeit war er mit seinen Eltern neu in diese Stadt gezogen und war sehr einsam, weil er einfach noch keine Freunde gefunden hatte. In seiner Klasse fühlte er sich fremd und unwohl.
Zu allem Unglück war vor zehn Tagen seine kleine Katze Maunzi von einem Auto überfahren worden und fortan war es nur noch dunkel in ihm. Alle Freude und Hoffnung hatte er verloren.
An diesem besonderen Abend beobachtete der kleine bunte Stern wie Florian von seiner Mutter an das Fenster geführt wurde und wie sie mit ihrer Hand nach oben zum Sternenhimmel zeigte. Er hörte wie sie zu ihm sprach: „Sieh nur, wie schön die Sterne heute strahlen.
Florian wandte seinen Blick nach oben. Eine ganz Weile hatte er den Sternenhimmel angeschaut und dann plötzlich entdeckte er unter all den glänzenden Sternen diesen einen winzig kleinen ganz besonderen Stern, der alle Farben des Lebens trug und dessen Licht durch Hell und Dunkel hindurch zu strahlen vermochte.
In diesem Moment wurde Florian sonderbar berührt. In seinem Herzen fühlte er eine sanfte Wärme und Florian ließ den kleinen bunten Stern eine lange Zeit nicht aus den Augen.
Da geschah es, dass sich die Farben des Lebens auch in seiner Seele spiegelten und das durch das Dunkel seines Herzens ein zarter Strahl zu leuchten begann. Es war als wenn das Samenkorn der Hoffnung sich öffnete und ganz sachte seine Wurzeln entfaltete.
In Florians Gesicht zeichnete sich ein sanftes Lächeln, das von der Ahnung gespeist wurde, dass die Traurigkeit nicht ewig verweilen konnte und die Fröhlichkeit wieder Einzug halten würde.
Dieses Erlebnis machte den kleinen bunten Stern sehr glücklich und nun wusste er, dass er dazu bestimmt war, eine ganz besondere Botschaft auszustrahlen.
Wenn du deine Herzensaugen öffnest, kannst auch du ihn erkennen, diesen ganz besonderen winzig kleinen bunten Stern, der dich daran erinnert, dass das Leben alle Farben trägt, und dass das Licht auch durch die Dunkelheit hindurch scheint.

Beate Neufeld

21. Dezember – Das verborgene Geschenk

Das verborgene Geschenk

In diesem Jahr sollte alles anders werden.

Die Adventszeit war auch in diesem Jahr wieder wie auf leisen Sohlen so überraschend herangeschlichen, das Anja Mühe hatte, sich vom Herbst zu lösen. Aber ihr Vorhaben, sich nicht vom allgemeinen Weihnachtsstress überrollen zu lassen, konnte sie zum ersten Mal in die Tat umsetzen. Fast jeden Abend nahm sie sich Zeit, eine Ruhepause einzulegen und in der Bibel oder anderen Büchern zu lesen und sich intensiv mit dem Weihnachtsgeschehen zu beschäftigen. Manchmal zündete sie eine Kerze an und lauschte einer meditativen Musik. Das alles trug dazu bei, dass in ihrem Herzen die Freude beständig wuchs.

Eines Abends dachte sie an die bevorstehende Weihnachtsfeier in ihrer Frauengruppe.
Das gemeinsame Wichteln war dabei zur Tradition geworden. Dazu brachte jede Frau ein kleines Geschenk mit, das nicht selten auch selber gebastelt wurde.
Sie hatten sich darauf geeinigt, dass die Freude am Beschenken im Vordergrund stehen und daher nicht viel Geld ausgegeben werden sollte. Die Päckchen kamen dann in einen Sack und nach der Reihe durfte jede Frau ein Geschenk daraus entnehmen.

Beim Gedanken an das Wichteln machte sich zum ersten Mal ein mulmiges Gefühl in Anjas Magengrube breit. Vor zwei Jahren hatte Simones Sohn im Kindergarten eine Kerze mit bunten Wachsplättchen verziert. Sie war nicht wirklich schön, und ausgerechnet dieses Exemplar war dazu bestimmt, in Anjas Händen zu landen. Mit neidvollem Blick hatte sie die hübsche und kreative Ausbeute der anderen Frauen betrachtet und nachdem sie ihre Enttäuschung herunter geschluckt hatte, wurde die Kerze zu Hause schnellstmöglich abgebrannt und damit auch wieder vergessen. Was ihr im letzten Jahr zuteil wurde, war nicht erfreulicher als im Vorjahr, zum Glück hatte sie die Erinnerung daran soweit verdrängt, dass sie nicht mehr sagen konnte, was ihr zuteil wurde. Aber nun schlich sich eine unangenehme Vorahnung in ihr Herz: Sie war sich fast sicher, dass sie auch in diesem Jahr wieder so ein unzumutbares Geschenk mit nach Hause nehmen musste.

Als der Tag der Weihnachtsfeier gekommen war, machte sich Anja schon früh morgens gut gelaunt an das Einpacken ihres Mitbringsels, das sie liebevoll ausgewählt hatte.
Sie summte dabei die Melodie ihres Lieblingsliedes leise vor sich hin und war ganz bei der Sache.
Als sie abends den festlich geschmückten Raum betrat, streifte ihr erster Blick den Schrank, auf dem bereits eine ganze Reihe von niedlichen Päckchen aufgereiht standen. Noch guter Dinge stellte sie ihren Beitrag zu den anderen. Als Simone schließlich den Raum betrat und ihr Geschenk auf den Wichteltisch stellte, war sie wieder da, diese unerträgliche, hellsichtige Gewissheit: Dieses hässliche Etwas, eine Klorolle mit Buntpapier als Kerze hergerichtet, sollte ihr gehören.
An einigen Stellen war das Papier zerdrückt und eingerissen,- der Sohn von Simone hatte offensichtlich seiner geballten künstlerischen Begabung mit ungebremster Motivation freien Lauf gelassen. Nun begann die Bescherung.

In diesem Jahr sollte alles anders werden.

Die Päckchen wurden nämlich mit einer Zahl versehen.
Jede Frau zog ein Zettelchen mit einer entsprechenden Nummer, und bekam dann ihre Überraschung. Anja biss die Zähne zusammen und versuchte sich mit aller Kraft gegen die penetranten Gedanken zu wehren, die wie ein Fluch auf ihr lasteten. So nahm sie dann auch mit verkrampften Gesichtszügen ihre Gabe entgegen.
Es kam wie es kommen musste, sie bekam was ihr zustand, und ließ es auch sogleich
mit einem gekünstelten Lächeln in ihrer Tasche verschwinden, um es nie wieder eines Blickes zu würdigen: Das Klorollenprachtstück!

Als alle Frauen ihre Kostbarkeiten mit viel Freude ausgepackt hatten, kam der Höhepunkt: Die nervige Simone fragte Anja doch tatsächlich vor versammelter Mannschaft, ob ihr denn das Geschenk gefallen würde.
Aus Anjas Mund kam nur ein klägliches Dankeschön.
Aber Simone blieb hartnäckig: Ob Anja denn wirklich annehme, dass das, was sie gesehen habe wirklich ihr Geschenk sei? Sie solle es doch einmal auspacken!
Verwirrt und unsicher nahm Anja die Klorolle aus der Versenkung und entfernte das Buntpapier. Da kullerte eine mit Goldlack bepinselte Walnuss heraus.
Sie hatte ein winziges Scharnier, und als Anja sie zögernd und vorsichtig öffnete, da blieb ihr vor Verwunderung der Mund offen stehen: Innen war eine wundervolle Krippe beherbergt, deren Figuren aus zierlichen Ästchen geschnitzt waren.
Anja schämte sich und gleichzeitig wurde sie mit einer tiefen Freude erfüllt.
Ehrfürchtig und ergriffen bestaunte sie das schönste und wertvollste Geschenk, das sie je erhalten hatte.

In diesem Jahr sollte alles anders werden.

(Nach einer wahren Begebenheit)