Aufbruch

Das innere Licht

Ein Hirte war er und Daniel hieß er. Schon von Kindheit an, soweit er zurückdenken konnte, war etwas in ihm, das ihm die Gewissheit gab, seinen wahren Namen noch nicht gefunden zu haben. Lange Zeit hatte er sich gegen das bedrängende Gefühl gewehrt, aber es ließ ihn dennoch nie in Ruhe. Schließlich hatte er nur noch einen Wunsch, er wollte sich der erdrückenden Last entledigen, die schwer auf seiner Seele lag. So fasste er den unwiderruflichen Entschluss, sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Namen zu machen. Er wurde getrieben von der Gewissheit, dass ihn erst die Kenntnis dieses Namens zum wahren Leben erwecken würde.

Man sagte ihm, er solle nicht weggehen, denn seine Herde sei ohne ihn verloren. Man warnte ihn, er dürfe nicht flüchten, denn das Schicksal habe ihn an diesen Platz gestellt. Man versuchte ihn davon zu überzeugen, dass sein Vorhaben unsinnig sei, denn kein Mensch habe je einen weiteren Namen erhalten, als den, den seine Eltern ihm bei seiner Geburt gegeben hatten; er solle sich damit abfinden.Alle Einwände und Warnungen konnten ihn nun aber nicht mehr zurück halten.

Befreit und glücklich machte er sich auf seinen Weg. Die Schritte wurden von Minute zu Minute leichter, so dass er schließlich das Gefühl hatte, getragen zu werden. Er bemerkte kaum, wie schnell die Zeit verging, bis er zu jenem Land gelangte, dessen Grenzen noch niemals überschritten wurden.. Seine Seele ahnte bereits, was sein Körper erst allmählich zu spüren bekam, seine Kräfte ließen nach , er bewegte sich nur noch beschwerlich und die Sehkraft seiner Augen wurden schwächer und schwächer. Alles um ihn war wie mit Nebelschleiern verhüllt. Schließlich umgab ihn eine Dunkelheit, die ihn seine Hand nicht mehr vor den Augen erkennen ließ. Voller Verzweiflung schloss er seine Augen, und im gleichen Moment öffneten sich die Augen seines Herzens.

Zum ersten Mal konnte er sich selber im Licht der Wahrheit sehen.
Mit einem überwältigenden Gefühl von Liebe und Geborgenheit empfing er seinen wahren Namen:
Ich bin in Dir
Du bist in Mir
Ich bin Du
Du bist Ich
Er wusste, dass dieser Name unaussprechlich sei, aber er würde ihn nie vergessen und
durch seine Erkenntnis war Daniel zu neuem Leben erwacht.

(C) Beate Neufeld

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4 Gedanken zu „Aufbruch

  1. Da bin ich platt… klasse, liebe Beate…. da ist man voll drin beim Lesen – wie „in echt“ – *schauer-runterläuft*………………. sehr, sehr gut 😎 🙂
    Grüsse von der frieda

  2. Was für eine schöne Geschichte, liebe Beate. Mein Fazit: höre auf die Stimme deines Herzen.
    Ich leses im Moment in dem Buch das dir empfohlen wurde und finde darin viele leerreiche Geschichten.
    Ein schönes Wochenende für dich und Priska.
    Salut
    Helmut

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