Eine interessante Erfahrung…

…war für mich am Montag Abend in dieser Woche mein Besuch beim Offenen Kanal Haßloch. Dort wurden 8 meiner Kurzgeschichten für die Sendereihe „Lesezeit“ aufgezeichnet. Die folgende Geschichte, die heute zum Beginn des neuen Monats passt,  habe ich dort auch gelesen:

Der denkwürdige 9. September
Es war an einem dieser wundervollen mildsonnigen Tage, an denen der Sommer „noch in der Tür steht“ um sich zu verabschieden und der Herbst, nur zögerlich und unsicheren Schrittes näher kommt.
So wie jede Woche fuhr ich an diesem Freitag Anfang September auf dem Rückweg von der Arbeit sofort zum Supermarkt, um die Ecke, um beschwingt und voller Vorfreude auf ein geruhsames Wochenende meine Einkäufe zu erledigen.
Schon kurze Zeit nachdem ich das Geschäft betreten hatte, beschlich mich ein seltsames Gefühl. Eine undefinierbare Leere gähnte mir aus den vermeintlich vollen Regalen entgegen.
Krampfhaft überlege ich, was hier fehlte, was mein Begehren weckte, ohne sich mir zu offenbaren. Das Rätsel konnte ich während des gesamten Einkaufs nicht lösen und die Frage ließ mich auch am Feierabend nicht los, verfolgte mich bis ins Bett und grub sich in meinen Träumen eine Rinne.
Das ganze Wochenende hing diese aufdringliche Unzufriedenheit wie ein Damoklesschwert über mir und legte sich wie ein Nebelschleier über die gesamte neue Woche. Ich war total verunsichert und hatte fast ein wenig Angst vor dem nächsten Einkauf.
Als ich dann am folgenden denkwürdigen Freitag Abend, es war der 9. September, ich werde das Datum nie vergessen, voller Anspannung das Geschäft betrat, traf mich die Erkenntnis wie ein Paukenschlag. Die Nebelschleier wurden wie von Geisterhand in tausend Fetzen zerrissen und es ging förmlich die Sonne auf, als ich nach wenigen Schritten vor dem heilbringenden Regal stand, dessen Inhalt mit einem Schlag all meine Kümmernisse in die Flucht schlug. Glückselig badete meine Seele in dem Angebot, das mein Sehnen augenblicklich stillte. Ich konnte nur noch ungläubig über mich selber den Kopf schütteln. Es war mir unbegreiflich, wie ich vergessen konnte, was mir gefehlt hatte um mein innerstes Bedürfnis zu befriedigen. Schon streckte ich meine Hand aus und die erste Berührung legte sich wie ein Pflaster auf meine blutenden Wunden. Freuden trunken hielt ich die Packung mit den echten Nürnberger Lebkuchen in meinen Händen, und als ich ebenfalls Mandelspekulatius und die heißgeliebten Aachener Printen liebevoll in den Einkaufswagen gelegt hatte, war mein Glück perfekt: Wenn auch verspätet, konnte nun doch endlich die Weihnachtszeit beginnen.
Euch Allen eine (frohe Adventszeit 😂) gute Zeit bis zum Wiederlesen.

10 Gedanken zu „Eine interessante Erfahrung…

  1. Ich hab es mir schon gedacht, was in den Regalen fehlte. Das hast Du sehr gut geschrieben *lach*.
    Ich hatte dieses Erlebnis am 01. September in einem großem Supermarkt und habe mich noch mit einer Verkäuferin darüber unterhalten, wie schrecklich ist das finde bei Sommertemperaturen Lebkuchen oder Spekulatius zu kaufen…auch wenn ich sie noch so gerne mag.

    Ganz ehrlich, meine Familie würde sich wahrscheinlich freuen, wenn ich die ersten Lebkuchen mit nach Hause bringen würde, doch wie jedes Jahr WEIGERE ich mich bis zum November, davon etwas zu kaufen.
    JETZT ist „noch“ Sommer, dann kommt irgendwann der Herbst und dann…..so kurz zwischen Herbst und Advent, dann kann man über den Kauf nachdenken.

    Es lebe der Konsum.

    LG Susanne

  2. Wunderschöne Geschichte und schön geschrieben. In meinen Einkaufskorb wären Dominosteine mit Edelbitter oder Feinherb-Bezug gelandet. Sonst nichts.

    Schönes Wochenende für dich.
    Salut
    Helmut

    • Ach, lieben Dank , lieber Helmut,für Deine lobenden Worte. Momentan würde nichts dergleichen bei mir im Einkaufswagen laden, aber wenn der Advent gekommen ist, dann dürfen es Lebkuchen und Gewürzspekulatius sein. 😉

  3. Ja, toll, nä? Ich weiß auch genau, dass der Wahnsinn sonst immer in der zweiten Septemberwoche begonnen hat, weil kurz danach in Bayern die Ferien vorbei sind.
    Diesmal war es schon um den 25. August rum soweit. Auch wenn ich im Netz spöttische Bemerkungen lese: Nein, es wird nicht immer früher… DOCH. Wird es. Und ICH boykottiere das auch. So lange die Schokolade im Auto schmelzen würde, gibt es definitiv bei mir kein Adventsgebäck! So!! 😉

  4. Und da bin ich schon wieder, liebe Beate. 🙂 Ich sitze heute mal am PC.
    Frohe Adventszeit??? 😀 Und ich dachte schon, ich wäre immer so früh dran mit Weihnachten. *lach*
    Ich freue mich auch immer auf die leckeren Sachen, während andere meckern, dass es viel zu früh ist. 🙂
    Ich finde es ja toll, dass deine Kurzgeschichten aufgezeichnet wurden. <3
    Liebe Grüße,
    Martina

    • Nun ja, wie diese ironische Geschichte halt schon vermuten lässt, ich finde es ganz furchtbar, dass die Weihnachtssüßigkeiten bereits im Spätsommer in den Regalen liegen, für mich gehören.sie in die Adventzeit.

      • Man muss sie ja noch nicht kaufen, wenn man sie noch nicht mag. *lach* Ist doch jedem selbst überlassen. 🙂
        Auch wenn du damit Recht hast, dass sie in die Adventszeit gehören. Oktober wäre früh genug, auch für mich. 😉

        • Natürlich ist es jedem selber überlassen. Ich schreibe ja nur von meinem individuellen Empfinden und ich finde es nun mal schrecklich, wenn Anfang Oktober schon alles mit Weihnachtsartikeln voll steht. Wem das Freude macht, dem sei es gegönnt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.