Ein Lob auf die Filter

Ich beobachte es schon seit Jahren:
Um mich herum werden die meisten Menschen immer schöner.
Du stutzt und neigst den Kopf skeptisch zur Seite.
„Na wenn sie da mal nicht maßlos übertreibt, vermutlich ein Anflug von depressiver Verstimmung oder tiefsitzende Minderwertigkeitskomplexe? Möglicherweise ist sie gerade gefrustet, warum auch immer, vielleicht auch der pure Neid?
Ich hingegen schaue wie jeden Tag  in die altersresistenten Gesichter, auf Instagramm und Facebook und bin gleichermaßen erstaunt und fasziniert, wie es die Menschen da draußen bloß schaffen in makelloser Schönheit zu erstrahlen. Ich komm da einfach nicht mehr mit. Selbst die teuersten Antifaltencremes oder das exklusive Shampoo mit Seidenproteinen zeigen bei mir einfach keine Wirkung.
Jetzt dämmert es dir und du weißt wo der Hund begraben liegt.
„Dir kann geholfen werden, klar kannst du da mit, ist doch gar kein Problem, wozu gibt es denn die Filter, damit filterst du dich ganz einfach und idiotensicher auf Knopfdruck strahlend schön.

Upps, da hab ich wohl den Falschen erwischt. Aber so schnell gebe ich nicht auf!

11 Gedanken zu „Ein Lob auf die Filter

  1. Ich hatte ja schon bei Facebook etwas dazu geschrieben. 🙂
    Auf jeden Fall sind ein paar Lachfältchen bei mir hinzugekommen, als ich den Beitrag gelesen habe. 😉
    Liebe Grüße,
    Martina

  2. Der Jugend-, Schlankheits- und Schönheitswahn wird dank WWW immer größer. Gerade die Jugend meint sich ständig im Netz präsentieren zu müssen, der eine schöner als der andere….. und wer nicht der Norm entspricht, läuft Gefahr gemoppt zu werden. Eine Entwicklung, die mir Angst macht.
    LG Susanne

  3. Ich bin am Lachen liebe Beate. Auf dem Bild siehst du echt aus wie eine alte Oma 🙂 Aber das Gute ist ja, dass wir über uns selbst lachen können. Ich möchte mit 70 nicht aussehen wie 50 und jetzt mit 51 nicht wie 30. Wir leben und das Leben hinterlässt Spuren und Falten.
    Liebe Grüße von Kerstin.

  4. Was für ein köstlicher Beitrag, liebe Beate, und dein falscher Filter ist doch auch ganz nett. Wir leben halt in einer Zeit, in der der Schein oft mehr zählt als die Wirklichkeit. Oft erschrickt man aber auch, wenn man sein ungeschminktes, ungeschöntes Äußeres sieht, weil es so gar nicht zu dem Gefühl passen will, das man von sich selbst hat. Ich kenne das schon, und ich gebe auch zu, dass ich bei Profilfotos schon mal einen Weichzeichner einsetze, genauso, wie ich mich immer ein wenig schminke, zumindest wenn ich aus dem Haus gehe. Daran finde ich auch nichts verkehrt. Aber alles hat seine Grenzen. Wenn man Bilder von sich verbreitet, die mit der Realität so gar nichts mehr zu tun haben, dann wird’s bedenklich.
    Liebe Grüße
    Elke

  5. Du hast ja so recht, liebe Beate,
    gerade weil dauernd die inneren Werte betont werden, liegt das Hauptaugenmerk nach wie vor auf dem Äußeren. Ich finde es mehr als bedauerlich, wenn junge Menschen nicht mehr imstande sind sich so zu nehmen wie sie sind, nur weil es die moderne Chirurgie möglich macht, sich bis zur Unkenntlichkeit zu verändern, anzupassen, einem obskuren Schönheitsideal nachzurennen. Sicher wäre manchem Jugendlichen geholfen, wenn man nicht nur sagen würde „Du bist doch schön, hübsch, okay….“ sondern die jedem innewohnende, eigene Schönheit zu betonen. Klar machen, dass jeder ein Individuum ist, eine eigene Persönlichkeit hat.
    Lieben Gruß
    moni

  6. Es gab mal eine junge Frau, die hieß bei meinem Sohn und mir nur „das Auge“. Irgendwtwas gefiel ihr nicht an ihrem Gesicht; der Weichzeichnungsfilter musste her und sollte es richten. Und so verschwand der Schatten unter den Augen, dann der an den Nasenflügeln. Das Gesicht wurde eine weiße, glatte Fläche ohne jegliche Kontur. Und mitten drin: das Auge. 🙂
    Ich zeige mich auch nicht unbedingt gerne im Netz, einfach, weil es Wichtigesres gibt als mich und G**gle das einen Dreck angeht, wie ich bin und ob sie mir mal wieder eine Haarfarbe empfehlen können (oder Stützstrümpfe). Es ist aber auch nicht gut, sich anders darzustellen als man ist, weil man sich selbst nicht mehr erkennt oder eben verleugnet. Wozu?
    Herzliche Grüße von der Gudrun, die heute nur noch halb so viele Taschentücher braucht. Es wird.

    • Ja „das Auge“, ich kann es mir vorstellen. Mein Artikel ist humorvoll geschrieben, aber es steckt schon etwas Ernst dahinter. Ich findd die Entwicklung in dieser Hinsicht nicht gut. Es wird gerade für jinge Menschen , insbesondere Frauen, ein gewaltiger Druck aufgebaut.

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