Dualität

„WER WEIß WOZU DAS GUT WAR“?
Diesen Satz hatte ich aus dem Mund meiner Mutter schon seit meiner Kindheit oft gehört. Sie sprach ihn aus, wenn etwas geschehen war, was man durchaus als Mißgeschick oder Ungemach bezeichnen konnte.
Sein Sinn und die Wahrheit die dahinter steckt hat sich mir im Laufe des Lebens immer mehr erschlossen. Ich habe erfahren, dass sich vermeintliche Unglücksfälle im Rückblick oft als Chance herausgestellt haben. Chance für einen Lernprozess.
Ebenso gebrauchte meine Mutter zuweilen den Satz:
„ALLES HAT ZWEI SEITEN“.
Diese Aussage passt zum Einen auf die oben beschriebenen Situationen aber die Erfahrung hat mir gezeigt, dass sie auch auf mich selbst passt. Nun ja, evtl. muss ich sie nur ein wenig korrigieren, in dem ich sage: Wenn ich mich auf das Leben in all seiner Tiefe einlasse, dann erkenne ich, dass es durch das Raster der „Schwarz-Weiß-Malerei“ durchfällt. Es zeigt sich in zahlreichen Facetten. Nichts ist nur gut oder nur böse!  „ALLES HAT VIELE SEITEN“ , trifft also besser zu.
Wenn ich wirklich ehrlich zu mir selber bin,  dann erkenne ich, dass mein Wesen sowohl mit altruistischen als auch mit egoistischen Zügen ausgestattet ist.
In meiner Seele wohnen Liebe und Hass nebeneinander, auch wenn es nicht angenehm ist der Realität ins Auge zu sehen, aber so ist es nun mal.
Nur in dem Maße, in dem ich bereit bin, mich selber so anzunehmen wie ich bin, kann ich lernen auch meine Mitmenschen so anzunehmen wie sie sind.
Das ist ein lebenslanger Lernprozess, bei dem es immer wieder Rückschläge zu verzeichnen gibt.  Das darf sein,  denn wenn ich viele Seiten habe, dann muss und kann ich nicht perfekt sein. Ich meine, Perfektionismus würde in diesem Zusammenhang gleichbedeutend mit Stagnation sein.

Dualität

Überall auf der Welt leben Menschen die sich für den Frieden einsetzen.
In jedem Land dieser Erde wohnen Menschen die das Leben schützen.
An jedem Ort auf unserem Planeten existieren Menschen, die Grenzen in ihren Herzen überwinden.

Mörder leben in der Nachbarschaft von Pazifisten.
Attentäter wohnen im selben Haus mit Wohltätern.
Hass und Liebe existieren in deiner Seele nebeneinander  und so bist auch du mal Freund,  mal Feind.

(C)Beate Neufeld

 

4 Gedanken zu „Dualität

  1. Das erinnert mich gerade an die Unendliche Geschichte von Michael Ende, als Atréju in den Spiegel blickt, der sein Inneres Wesen zeigt.
    Ich weiß gar nicht, ob das so ganz passt, aber im Prinzip sieht er dort ja auch eine ganz andere Seite von sich.

    Wie alle, tragen wir viele Facetten in uns. Manche davon sind gut sichtbar, andere eher verborgen. Einige zeigen wir nur bestimmten Personen.
    Manchmal verbirgt sich auch eine dieser Facetten tief in uns und offenbart sich erst in einer extremen Situation. Plötzlich sieht man sich mit ganz anderen Augen, erschrickt vor sich selbst und kann gar nicht glauben, dass man das auch ist. Und indem man sich selbst so sieht, wächst das Verstehen, was das Verhalten Anderer betrifft. So habe ich es vor einigen Jahren erlebt.

    Das waren einfach mal meine Gedanken dazu.

    Liebe Grüße,
    Martina

    • Ich habe die unendliche Geschichte vor vielen Jahren auch gelesen, erinnere mich aber nicht mehr an diese Szene.
      Ich erlebe es genauso, dass es leichter fällt andere Menschen mit allen Facetten anzunehmen und zu verstehen, wenn man sich selbst auch ehrlich „anschauen“ kann.

Ich freue mich über deinen Kommentar.