Lebensschätze

In der Regel leben wir so, als wäre unsere Zeit unbegrenzt.
Natürlich wissen wir, dass wir sterbliche Wesen sind, aber in unserem Kulturkreis ist der Großteil der Menschen zu wahren Meistern der Verdrängung geworden.
Auch ich zähle mich zu ihnen und das, obwohl mein Leben für mich von Kindheit an immer wieder Lektionen bereit gehalten hat, die mir die Endlichkeit des Lebens vor Augen führte, so zum Beispiel im Alter von 8 Jahren, als ein Freund von mir starb.
Ihr könnt diese Episode in meinem Schreibblog Herzensauge lesen.

Im Hinblick auf die Vergänglichkeit kann sich so manches Problem als weniger bedeutungsvoll herausstellen. Wenn ich in einer belastenden Situation feststecke, kann es durchaus hilfreich sein, mir vorzustellen, wie ich in etwa 2 Jahren wohl rückblickend darüber denke.
Oder wenn mir der heutige Tag scheinbar nur Anlass zu Ärger und mieser Laune gegeben hat, dann kann die Frage, wie ich empfinden würde, wenn ich wüsste, dass es der Letzte wäre alles verändern.
Ich habe mir auf diese Weise schon öfter über die meinen Kreislauf belastende Hitze dieses Sommers hinweg geholfen in dem ich mir vorstellte, dass in wenigen Wochen schon Herbst ist und dann die dunklere Jahreszeit beginnt, in dem ich mich manchmal nach Sonnenlicht sehne.

Ich sitze hier am Notebook und tippe
diese Zeilen und denke daran, wie unermesslich viele Stunden mir das
Leben schon geschenkt hat. Einige, wenige sind mir noch in
Erinnerung, meist solche in denen mich „das Leben auf die ein oder
andere Art durchgerüttelt hat“. Sie haben es geschafft, sich einen
Platz in den ungeschriebenen Memoiren meines Lebens zu ergattern.

Aber was ist mit den Sternstunden meines Lebens, sie sind
anscheinend dazu prädestiniert, ein Schattendasein zu
führen?
Kürzlich habe ich mich dazu entschlossen, mich den
Erinnerungen an meine Kindheit zu widmen. Ich habe mich z.B. gefragt,
welche Bilder auftauchen, wenn ich an meine Kindergartenzeit denke,
wie das Außengelände ausgesehen hat, wie es innen aussah, womit ich
gerne gespielt habe, an welche Erlebnisse im Kindergartenalltag ich
mich erinnere. Auf diese Weise ist schon in kurzer Zeit recht Vieles
wieder ins Bewusstsein gerückt, was lange verborgen war.
Zum
Beispiel fielen mir zwei meiner Lieblingslieder ein, die unsere
Kindergartenschwester mit uns gesungen hat und ich konnte nachspüren,
was ich beim Singen empfunden habe, das war so etwas wie Helle,
Heiterkeit, Geborgenheit, tiefes Vertrauen in das Leben. Mir wurde
bewusst, wie wertvoll und wichtig diese Ordensschwester, die meine
Kindergartengruppe geleitet hat, für mein Leben war. Sie hatte mir
einiges mitzugeben, was mich positiv geprägt hat.
Ich habe eine
Ahnung, dass sich noch ganz viele Lebensschätze entdecken lassen,
wenn ich mich dafür öffne.

5 Gedanken zu „Lebensschätze

  1. Ich habe auch schon oft daran gedacht, zu versuchen, mich an einiges aus der Kindheit zu erinnern und vielleicht sogar aufzuschreiben. Vielleicht ein Weg, wieder mehr zu mir selbst zu finden.
    Deine „Taktik“ Situationen, Tage oder Phasen zu überstehen, finde ich gar nicht übel. Im Grunde habe ich sie schon selbst angewandt.
    Obwohl ich Felix sehr liebe, keine Frage, habe ich immer mal das Bedürfnis frei zu sein, denn Felix kann unglaublich anstrengend sein. Manchmal bin ich ganz schön genervt. Doch wenn ich daran denke, wie er fast gestorben wäre, wie der kleine Schatz 8 Tage in der Tierklinik war und ich jeden Tag um sein Leben gebangt habe, dann erinnere ich mich, wie verzweifelt und traurig ich war und wie glücklich ich war, als die Ärztin mir meinen kleinen Schatz lebendig und fast gesund in die Arme gelegt hat. Das hilft mir dann ungemein. Und ich stelle mir auch vor, dass in einem Jahr vielleicht schon einiges wieder einfacher wird mit ihm. Seit ein paar Wochen können wir ihn immerhin endlich ein bis eineinhalb Stunden alleine lassen. Das ist doch schon was. 🙂
    Ein sehr schöner Beitrag, liebe Beate.
    Herzliche Grüße,
    Martina

    • Ja ich denke, auch der Rückblick, so wie du ihn hier beschreibst,ist immer wieder hilfreich, denn er eröffnet uns die Fortschritte, die wir gemacht haben,erhellt den Blick auf das, was schon „gut geworden“ ist.

  2. Es tut immer wieder gut bei Dir zu lesen, Du scheinst ein so positiver, ausgeglichener Mensch zu sein, so dass Du für Deine Familie sicher der ruhende Pol bist.
    LG Susanne

  3. Liebe Beate,
    sicher hast du recht, dass wir im Laufe unserer Lebens ganz viele verschiedene „Erinnerungsschätze“ sammeln. Es ist gut, diese angenehme Truhe der ganz persönlichen Gedanken ab und an zu öffnen, um sich daran zu erfreuen.
    Liebe Grüße
    moni

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