So oder so?

Ich sitze in unserem Hof

Als mein Blick die Mauer des Nachbarhauses streift, fallen mir die eigenwillig überstehenden Steine auf und ich denke an eine Geschichte, die von einem Mönch erzählt, der zum ersten Mal gemauert hat und seine liebe Mühe hatte, die Steine gerade auszurichten. Er ging sehr perfektionistisch ans Werk und haderte später jedes Mal, wenn er die fertige Mauer ansah, mit der Tatsache, dass zwei schief stehende Steine die Mauer verunstalteten. Bei Führungen von Besuchergruppen über das Klostergelände mied er diesen Teil der Mauer, weil er sich dafür schämte. Eines Tages wollte ein Besucher unbedingt das gesamte Gelände besichtigen. Er äußerte sich begeistert über die Schönheit des Gebäudes und der Mönch fragte ihn daraufhin, ob er denn die mangelhafte Stelle in der Mauer nicht gesehen habe. Der Besucher sagte, dass er freilich die beiden Steine erblickt habe, aber dass er ebenso die 99 Prozent der ebenmäßig gemauerten Steine gesehen habe.

AUF DEN BLICKWINKEL KOMMT ES AN.

Ich kann jetzt an den morgigen Arbeitstag denken, an dem ich zu einer ungemütlich frühen Zeit noch fast in der Nacht aufstehen muss 

oder das zarte erfrischende Lüftchen genießen, dass mein Gesicht und die Arme streichelt, während ich hier im schattigen Hof sitze und eine Tasse  Milchkaffee mit Schaum trinke.

Ich kann jetzt über die bevorstehende Hitze jammern

oder bedenken, wie es mir in vergangenen Sommern ging, die man kaum als solchen identifizieren konnte.

Ich kann jetzt mit dem Schmerz der Trauer um Priska hadern, der immer noch ab und an wiederkehrt 

oder dankbar sein, dass ich sie an meiner Seite haben durfte.

AUF DEN BLICKWINKEL KOMMT ES AN.

Ich kann jetzt über die negativen Entwicklungen in unserer Gesellschaft und Weltgeschichte klagen oder Augen, Ohren, Herz und Sinne offen halten für die Zeichen der Liebe und die Wunder des Lebens.

AUF DEN BLICKWINKEL KOMMT ES AN

Natürlich will ich hier nicht dazu aufrufen sich hinter einer rosaroten Brille zu verstecken, aber ich denke es ist in diesen Zeiten unendlich wichtig, sich nicht von niederschmetternden Prognosen und Schreckensmeldungen überrollen zu lassen sondern die positiven Lebenskräfte zu mobilisieren und zu stärken!

Wir sind keine Besitzer eines eigenen Pools aber wir können unser Schlauchboot zu einer erfrischenden Fußbadeanstalt umfunktionieren.

Lasst es euch gut gehen und genießt die Sommertage die uns bleiben, der Herbst steht schon vor der Tür!

14 Gedanken zu „So oder so?

  1. Die Geschichte mit dem Mönch gefällt mir sehr gut und ich danke Dir, dass Du uns mal wieder in die positive Richtung stubst. Im Alltag verliert man den positiven Blickwinkel leider oft, aber man sollte wirklich versuchen, den Blickwinkel zu ändern. Manchmal gelingt es, aber manchmal auch nicht.
    LG Susanne

  2. Es sind schöne Gedanken liebe Beate. Und die Geschichte mit der Mauer und dem Mönch gefällt mir. So ist das wahre Leben. Wir müssen in jedem „Bösen“ auch das Gute sehen. Genau, auf den Blickwinkel kommt es an.
    Herrlich die Idee mit dem Schlauchboot. Ich habe eine alte Zinkwanne, die ich im Sommer im Garten stehen habe. In heißen Sommern habe ich auch die Füße ins Wasser gehalten. Nur dieses Jahr habe ich sie mal nicht aufgestellt. Hätte ich aber tun sollen 🙂
    Liebe Abendgrüße von Kerstin.

  3. Ein wunderbarer Beitrag, liebe Beate. <3 Du sprichst mir so richtig aus dem Herzen und aus der Seele.
    Ja, auf den Blickwinkel kommt es an. Denn beides ist ja da, das Gute und das Schlechte.
    Es heißt ja nicht, dass man alles übersehen sollte, was Schlimmes passiert und was nicht gut ist, aber mal ganz ehrlich, die meisten Menschen klagen und jammern über all das Negative und stellen es so hin, als gäbe es absolut nichts Positives, nichts Schönes mehr, was ja nicht stimmt. Und mit dauerhaftem Klagen und Jammern und andere Anklagen, verwandeln wir die Welt nicht in eine bessere Welt. Das geht nur durch richtiges Handeln.

    Natürlich klage und jammere ich auch mal, manchmal auch ganz schön heftig. 🙂 Ich denke jeder tut das und das muss auch mal sein. Man muss seine Ängste und seinen Unmut, seine Trauer und seinen Ärger einfach mal rauslassen dürfen. Dann gehts auch wieder besser. Aber dann ist es auch gut, den Blick wieder auf das Positive zu richten, ich finde das hat nix mit rosarote Brille zu tun. Das Gute ist ja da, das kann man auch ohne rosarote Brille sehen, wenn man es sehen will. Wobei so ein bisschen rosarot doch auch immer mal wieder gut tut. 😀
    Und wenn es uns gut geht, dann tun wir eher gute Dinge, sind motivierter und sind viel freundlicher zu anderen, und das macht die Welt schon wieder ein kleines bisschen besser, freundlicher.

    Ein süßes Bild von Priska übrigens. <3
    Dass du immer mal wieder haderst, wenn du um Priska trauerst, das finde ich ganz normal. Wichtig ist doch nur, dass du dann auch immer wieder dankbar dafür sein kannst, dass sie dein Leben so bereichert hat, das du die Zeit mit ihr schätzen kansnt. Ich finde, du machst das wunderbar.

    Mein Pepper ist nun schon fast zwei Jahre und acht Monate nicht mehr bei mir. Und noch immer habe ich Momente, in denen die schlimmen Bilder von seinem Tod in meiner Erinnerung auftauchen. Das letzte Mal ist erst ein paar Tage her. Dann fließen auch immer noch ein paar Tränen. Auch versuche ich immer mal wieder zu ergründen, was passiert ist und warum es passiert ist. Ohne Ergebnis. Und dann mache ich wieder meinen Frieden damit und sage mir, dass ich das loslassen und lieber an das Schöne denken sollte. Dann sehe ich ihn wieder vor mir, wie oft er mich zum Lachen gebracht hat, und wie oft er mich getröstet hat, und es stiehlt sich ein Lächeln auf mein Gesicht.

    Alles Liebe für dich,
    Martina <3

    • Ach Martina, die letzten Zeilen deines Kommentares über Peppers Tod machen mich betroffen. Du hattest damals im Blog nur Andeutungen gemacht, aus denen ich geschlossen habe, dass sein Tod wohl ziemlich dramatisch war. Meine Güte, ich kann nur so in etwa ahnen und nachempfinden, wie sehr so ein Erlebnis traumatisiert und wünsche dir von Herzen, dass du eines Tages dauerhaften Frieden diesbezüglich finden darfst.
      Klagen ist für mich etwas anderes als Jammern. Ich erinnere mich an eine Lebensphase die sehr problembehaftet war. Ich bin damals zu einem Meditations-und Tanzwochenende in der Fastenzeit gefahren. Welch wunderbare himmlische Führung war es für mich, dass dieses Wochenende auch Raum zum „Klagen“ bot, denn das passte zu unserem Thema. Die Leiterin hatte einige größere Steine bereitgestellt und uns dazu eingeladen, alles was wir an Schwerem und Belastendem, an Zweifeln und bohrenden Fragen mitgebracht hatten, sinnbildlich in Form eines Steines in unserer Kreis- Mitte (bei Gott) abzuladen. Wir hatten über das Thema Klagen gesprochen und den Unterschied zum Jammern herausgearbeitet. Jede die das wollte, konnte ein paar Worte sprechen, wenn sie ihren Stein ablegte. “ Ich klage dir Gott …..
      Mir hat dies sehr geholfen, es laut auszusprechen und es ist innerlich schon dabei etwas in mir geschehen. Ich erlebte, dass ich in der darauffolgenden Zeit Impulse und Hilfe bekam, so dass sich mein Blickwinkel auf die schwierige Lebenssituation verändern durfte und die drückende Schwere war weg. Ich habe es für mich so verstanden, dass Klagen schon die Bereitschaft beinhaltet, auf Hilfe zu vertrauen und die Offenheit sie anzunehmen und auch die Bereitschaft zur Selbstverantwortung. Jammern empfinde ich mehr als mangelnde Bereitschaft etwas zu verändern, Selbstmitleid spielt auch mit oder die Verantwortung auf andere abzuwälzen, die man als schuldig ansieht.

    • Die Erfahrung habe ich auch schon oft gemacht, dass es wertvoll und hilfreich ist, wenn ich von außen Impulse bekomme, denn es passiert doch immer wieder, dass ich unbemerkt in einer Richtung „festhänge“.

  4. So ist es, liebe Beate. Der Blickwinkel entscheidet. Ist das Glas halb leer oder halb voll. Das kommt aber auch auf die Lebenseinstellung des Einzelnen an. Es gibt Miesepeter und es gibt Optimisten. Es bleibt die Frage wer wohl leichter durchs Leben geht.

    Alles Gute für die kommenden heißen Tage. Wenns zu heiß wird einfach an den Winter denken, denn der kommt bestimmt.

    In diesem Sinne

    liebe Grüße
    Harald

  5. Liebe Beate,
    auf die Sichtweise kommt es an und auf die persönliche Einstellung. Ist diese positiv, wird „das Glas immer halbvoll sein“!
    Das Leben ist zu kurz um es nur negativ zu sehen, denn wir haben nur dieses eine!
    Angenehmen Wochenstart und lieben Gruß
    moni

  6. Ein sehr schöner Beitrag Liebe Beate.
    Draußen sitze ich schon lange nicht mehr, es ist zu heiß.
    An Herbst mag ich noch gar nicht denken.

    Alles Liebe von Mathilda ❤

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