Sei nicht so empfindlich

„Was hast du denn jetzt schon wieder, es ist doch alles in Ordnung?
Was willst du denn?
Stell dich nicht so an!
Du hast doch gar keinen Grund zum Traurig Sein, dir geht es doch so gut!
Nimm dir nicht alles so zu Herzen, sei nicht so empfindlich, leg nicht alles auf die Goldwaage!
Was machst du denn, einfach nur da sitzen und nachdenken, man muss doch etwas tun!“
Mir kommen diese Ansprachen sehr bekannt vor, schon als Kind habe ich sie so oder mit ähnlichen Worten oft gehört.
Und heute ertappe ich mich immer wieder dabei, dass ich diese Sätze im Geiste zu mir selber spreche um mich davon abzubringen, so zu sein, wie ich bin.
Um besser in das Bild zu passen, was ich mir von mir selbst gemacht habe und um die Erwartungen, die ich mir selbst auferlege zu erfüllen.
Ich bin empfindsam, dünnhäutig und reflektiere ständig, was ich erlebt habe.
Ich kann einen ständigen Geräuschpegel z.B. durch Radio nur schwer ertragen.
Wenn jemand laut spricht tut es mir in den Ohren weh.
Wenn ich mich in Gesellschaft von vielen Menschen aufhalte, strengt mich das an, weil ich die Stimmungen und Befindlichkeiten der anderen Menschen spüren kann.
Gerüche nehme ich sehr intensiv wahr, manche bereiten mir körperliches Unwohlsein.
Ich habe sozusagen feine Antennen und nehme viele Eindrücke auf, ständig und überall, weil ich sie nicht ausfiltern kann, deshalb brauche ich regelmäßig Ruhezeiten um alles zu verarbeiten.
Heute weiß ich, warum das so ist, dass ich nicht unnormal bin, nicht schlecht oder minderwertig.
Ich bin eine HSP (Highly Sensitiv Person) hochsensibel eben.
Es wird in den letzten Jahren immer häufiger darüber in den Medien berichtet, natürlich auch kontrovers diskutiert. ‚
Seit ich auf diese Thematik gestoßen bin, hat für mich ein neues Leben begonnen. Ich habe mich eingehend damit beschäftigt und habe mich in meinem So Sein wieder gefunden.
Ich mag es nicht, wenn sich Hochsensible als etwas Besonderes darstellen oder die Erwartung haben, dass ihre Umwelt nun auf sie Rücksicht nehmen müsse.
Jeder Mensch hat schließlich seine Eigenarten, seine Begabungen, seine kleinen Macken, besondere Persönlichkeitsmerkmale.
Aber mir hat es sehr geholfen, zu erfahren,dass es nicht nur mir alleine so geht, und dass ich nicht falsch oder krank bin.
Laut den Forschungsergebnissen sind etwa 20 Prozent der Bevölkerung hochsensibel und nicht jeder Hochsensible Mensch „tickt gleich“, es gibt da ganz unterschiedliche Ausprägungen.
Ich habe gelernt selbstverantwortlich mit mir umzugehen und für mich und meine Bedürfnisse einzustehen. Es ist ein Lernprozess der keineswegs abgeschlossen ist.
Gestern bemerkte ich, dass ich wieder einmal im
„Abwehrmodus“ war und mich selber maßregelte(siehe oben).
Dann besann ich mich darauf, was ich in meiner Weiterbildung zur Entspannungspädagogin gelernt habe und ging in eine Atemmeditation.
Diese Art von Meditation habe ich für mich selbst als äußerst hilfreich und entspannend entdeckt und schreibe öfter Anweisungen zur Meditation für mich selbst auf, damit ich sie mir gelegentlich wieder vergegenwärtigen kann, besonders hilfreich, wenn der Stress sehr groß ist.
Gestern ist diese entstanden:

Atemmeditation: Einatmen auf DA Ausatmen auf SEIN:

DA SEIN
Ich lasse alles
Müssen, Sollen, Wollen
Ich darf mich sein lassen
EINFACH DA SEIN
SO WIE ICH BIN

10 Gedanken zu „Sei nicht so empfindlich

  1. Ich denke, dass die Weiterbildung als Entspannungspädagogin für Dich sehr hilfreich war und so wie ich Dich bisher virtuell kennenlernen dufte, kommst Du mit der Hochsensibiliät auch gut klar, was bestimmt nicht immer einfach ist.
    Ich würde mich selbst nicht als hochsensibel, aber als dünnhäutig bezeichnen und allein das macht das Leben schon nicht immer einfach. Manchmal wünscht man sich eine „dickere Haut“, aber man ist eben wie man ist.
    LG Susanne

  2. Es ist schon ein interessantes Thema, die Hochsensibilität, liebe Beate. Ich wusste nicht, dass du davon „betroffen“ bist. Es ist bestimmt nicht immer leicht damit umzugehen. ♥

    Ich wurde schon mal gefragt, ob ich hochsensibel bin, worauf ich mich ein wenig damit beschäftigt habe. Nicht sehr intensiv, da es mir dann irgendwie zu viel wurde, aber ich habe mal kurz „reingeschaut“.
    Ich bin nicht sicher, ob ich hochsensibel bin. Vermutlich nicht, aber manchmal denke ich, dass es hinkäme, da ich oft Stimmungen wahrnehme, die andere nicht wahrnehmen. Ich finde es sehr anstrengend und manchmal auch hinderlich für mich selbst, wenn ich mich ganz automatisch in andere hineinfühle, während ich mich selbst eigentlich verletzt fühle. Ich weiß dann nie für wen ich eintreten soll. Für den anderen oder für mich. Klingt irgendwie blöd, glaube ich, aber ich weiß es nicht anders zu erklären. Ich weiß auch nicht, ob das was mit hochsensibel zu tun hat. Wahrscheinlich bin ich einfach empathisch veranlagt. Manchmal würde ich das gerne ausknipsen können, weil ich selbst dabei gefühlsmäßig irgendwie zu kurz komme.
    Das mit der Lautstärke kann ich nachempfinden. ich kann sehr wohl Musik z.B. laut hören und Freude daran haben, aber irgendwann brauche ich es auch wieder ruhig. Ich höre übrigens sehr sehr selten Radio, eigentlich nur im Auto. Wenn jemand sehr laut spricht, finde ich das auch unangenehm. Früher musste ich immer heulen, wenn mich einer angeschrien hat. Das ist aber inzwischen nicht mehr so. Ich kann auch zurückschreien.
    Gerüche sind ab und an ein Thema bei mir. Manchmal bin ich da überempfindlich. So kommt es vor, dass ich ein Kleidungsstück, das ich länger nicht anhatte, aus dem Schrank hole und finde, dass es irgendwie müffelt. Es landet dann erst mal wieder in der Wäsche.

    Manchmal wünschte ich mir eine „dickere Haut“ und die Fähigkeit Überempfindlichkeiten abzustreifen. Das wäre toll. 🙂

    Ganz herzliche Grüße zu dir,
    Martina

    • Ich kann das glaube ich sehr gut nachvollziehen, was du schreibst. Ich weiß nicht, wo du dich über HSP informiert hast, saber die wie ich finde beste Seite dazu ist „Zartbesaitet“ und da gibt es auch einen Test , den man machen kann, um festzustellen, ob man hochsensibel ist.

  3. Sehr interessant. Ich habe eine Freundin, die hochsensibel ist. Es geht ihr wie Dir.
    Die ersten Zeilen haben mich berührt. Oft nehmen wir Stimmen unserer Kindheit mit und bestrafen uns selber. Warum wird Trauer so schnell verneint? Halten es die Erwachsenen nicht aus?
    Ganz liebe Grüße. Priska

  4. Du machst mich nachdenklich, liebe Beate, denn ich finde mich gerade sehr in deiner Beschreibung zu Anfang deines Beitrages wieder…
    Ich werde dem mal genauer nachspüren.

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,
    Anna-Lena

  5. Wunderbar, liebe Beate,
    dass Du für Dich einen Weg gefunden hast und diesen auch beharrlich gehst. Die Meditationsanweisung gefällt mir. Allein das Denken befreit, es laut zu sagen, gibt Kraft und Mut, gell.
    Hab ein angenehmes und entspannendes Wochenende,
    herzlichst moni

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