Der Weihnachtsbasar

Wenn ich nicht frühzeitig den Raum verlassen hätte, in dem der Flohmarkt für einen wohltätigen Zweck stattfand, um draußen an der frischen Luft auf meine Freundin Maria zu warten, hätte ich sie höchstwahrscheinlich nicht gesehen. Als ich eine Weile vor dem Schaufenster hin- und hergetippelt war, blieb ich stehen und schaute mir die weihnachtliche Dekoration näher an. Das tat ich nur aus Langeweile, denn eigentlich war es nach meinem Empfinden noch viel zu früh für Sternengeflimmer und bunte Glitzerkugeln, es war doch schließlich erst gerade mal Mitte September! 

Aber als ich die Drei am Boden direkt vorne an der Glasscheibe stehen sah, konnte ich meinen Blick nicht wieder von ihnen wenden. 

Sie waren in einer Reihe hintereinander aufgestellt und schienen schon eine ganze Weile gemeinsam auf dem Weg zu sein:

Die heiligen drei Könige, jeder mit einem goldschimmernden Geschenk in den Händen. 

Ich vergaß bei ihrem Anblick Raum und Zeit. Es war mir so als gäbe es nur sie und mich und sie würden mir lebendig und in voller Lebensgröße gegenüber stehen.

„Warum tragt ihr denn immer noch eure Gaben mit euch herum, Weihnachten ist doch längst vorbei. Habt ihr den Weg zur Krippe etwa nicht gefunden und sucht ihn immer noch?“, hörte ich mich in Gedanken fragen.

Offensichtlich träumte ich, denn ich vernahm tatsächlich ihre Stimmen mit denen sie mir antworteten:

„Wir sind nicht mehr auf der Suche: Im Gegenteil, wir haben viel mehr gefunden, als wir je erhofft hatten. Als wir unsere Geschenke an der Krippe abgelegt hatten und in die Augen des Christuskindes blickten, da geschah das Wundersame:

Wir fühlten uns wie in eine Welle von Liebe und wärmendem Licht eingehüllt. Dieses Gefühl war so überwältigend, dass wir es nicht in Worte fassen können. Wie beflügelt und federleichten Schrittes machten wir uns auf den Heimweg. 

Von unserem Erlebnis waren wir so eingenommen, dass wir erst nach einer ganzen Weile bemerkten, dass wir in unseren Händen die Geschenke hielten, die wir selbst als Gabe mitgebracht und an der Krippe abgelegt hatten. Vor Staunen verharrten wir in unseren Schritten und wurden ganz still bis in unsere Seelen hinein und dann erkannten wir das Wunder der Liebe. Uns wurde bewusst, dass in einem Geschenk, das von Herzen kommt immer Beides liegt: Geben und Nehmen. So wird der Schenkende selbst zum Beschenkten!“

„Na du, jetzt hast du aber lange warten müssen. Ich habe so viele wunderschöne Geschenke für Weihnachten entdeckt und dabei völlig die Zeit vergessen.“  Die Stimme meiner Freundin holte mich unsanft wie aus einer anderen Welt zurück in die Realität. 

„Ach, kein Problem“, erwiderte ich noch etwas verwirrt, „es kam mir gar nicht so lange vor.“

Nachdem Maria ihre zahlreichen Tüten im Kofferraum verstaut hatte ließen wir unsere gemeinsame Zeit in einem Café bei einem gemütlichen Plausch enden.

Von meinem Erlebnis mit den Königen erzählte ich nichts. Meine überschäumende Fantasie war mir ja als Kind schon zu genüge von meiner Umwelt attestiert worden. Die vermeintliche Begegnung beschäftigte mich noch eine Weile aber als dann der Advent ins Land gezogen war hatte ich sie längst vergessen. 

Es war eine lieb gewordene Tradition, dass wir uns im Kreis der engsten Freundinnen kurz vor Weihnachten zu einer adventlichen Kaffeestunde trafen und uns gegenseitig ein kleines Geschenk mitbrachten. Wenn wir die Geschenke auspackten wurde uns jedes Jahr auf Neue klar, wie gut wir uns kannten, so dass Jede genau das erhielt, was zu ihr passte und ihren Geschmack entsprach. Jedes Mal breitete sich dabei eine Atmosphäre von Freude und Dankbarkeit über die gegenseitige Wertschätzung aus.

In diesem Jahr wurde mir ein Geschenk der ganz besonderen Art zuteil. Sprachlos und mit Tränen der Rührung hielt ich das Päckchen von Maria mit „meinen heiligen Drei Königen in den Händen. Als ich sie vor mich auf den Tisch gestellt hatte und sie immer noch unentwegt anschaute, schien es mir einen klitzekleinen Moment lang so, als ob  sie mir mit einem liebevollen Augenzwinkern zunickten.

(C) Beate Neufeld

5 Gedanken zu „Der Weihnachtsbasar

  1. Dann kennt ihr euch wirklich sehr gut, kennt die Wünsche und Vorstellungen. Das freut mich für dich. Ja so was passiert. Man sieht etwas und es lässt einen nicht mehr los. Man möchte es so gern haben. Und manchmal erfüllen sich dann diese Wünsche.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Liebe Kerstin,
      es ist in diesem Fall eine Geschichte, die sich nicht genau so zugetragen hat. Sie entstammt meiner „Fantasie“, aber ein Teil stimmt: Der Einkauf meiner Freundin beim Basar und dass ich
      die Könige (sieheFoto) dort entdeckt und mir dann selbst gekauft gabe.

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