Der Geruch von Regenwetter

Gestern am frühen Abend machte ich in den Feldern meine Laufrunde. Ich wurde fast die ganze Strecke über von dem sehr intensiven und für mich wunderbar angenehmen Duft der Phacelia-Felder begleitet, die hier sehr häufig anzutreffen sind. Das war ein Fest für den Geruchssinn. Das Foto habe ich vom gestrigen Abend mitgebracht.

Es hat mir heute gefallen mich entspannt hinzusetzen, die Augen zu schließen und in Gedanken meine Kindheit Revue passieren zu lassen und dabei auf Entdeckungsreise zu gehen nach Gerüchen an die ich mich erinnere. Da wären zum Beispiel der Duft von Mandarinen und Orangen in der Vorweihnachtszeit und der Geruch der das ganze Haus erfüllte, wenn die Weihnachtsplätzchen gebacken wurden. Oder der für mich sehr angenehme Duft der aus der geöffneten Tabaksdose entstieg, wenn mein Vater sich die Pfeife stopfte (er hat sich zum Glück für seine Gesundheit recht bald danach das Rauchen abgewöhnt).
Ich erinnere mich an S. eine Freundin, die in einer schwierigen familiären Situation aufwuchs: Der Vater war Alkoholiker und arbeitslos, die Mutter musste S. die Betreuung ihrer jüngeren Geschwister überlassen, um die Familie irgendwie „über Wasser zu halten. Das Geld reichte gerade für die Nahrung, sonst blieb nicht viel. S. roch nicht gut. Ich mochte sie trotzdem gerne.
Einmal im Jahr zog ein kleiner Zirkus auf die Wiese neben der Kirche. Der Geruch der Manege, die Zirkusluft hat sich mir stark eingeprägt.
Weniger schöne Erinnerungen löst der Geruch des Schwimmbadwassers aus, welche ich dem Bademeister zu verdanken habe, der doch, wie soll ich es ausdrücken, recht rigorose Methoden im Schwimm-Unterricht anwandte.
Welcher Duft fällt euch als erster ein, wenn ihr an eure Kindheit denkt?
Bei mir ist das tatsächlich der ganz spezielle Geruch der Luft wenn es regnet.
Ich war als Kind sehr gerne bei Regenwetter mit meinem Regenmantel und Gummistiefeln unterwegs und fand es total schön, wenn der Regen auf meinen Regenschirm geprasselt ist. Dabei atmete ich dann ganz tief ein, weil die Luft so herrlich frisch roch.

So nun aber genug der Kindheitserinnerungen, ich hab noch ein Sammelsurium von Fotos der letzten Zeit, die euch in der Galerie zeige.

Morgen bekomme ich Besuch von zwei Freundinnen, von denen ich eine das letzte Mal am 20.02.2020 gesehen habe, als wir noch keine Ahnung hatten, dass unsere Welt sehr bald „auf dem Kopf“ stehen wird. Ich habe zwar regen Kontakt zu ihr, aber sich beim Sprechen auch sehen und in die Augen schauen können, so richtig live und „ohne doppelten Boden“ , das ist schon was besonderes und ich freue mich riesig.

4 Gedanken zu „Der Geruch von Regenwetter

  1. Sehr schön, liebe Beate.
    Nun weiß ich auch, wie diese Blumen heißen.
    Bei Gerüchen fällt mir als erstes das Rasierwasser meines Vaters ein. Er legte viel Wert darauf gut rasiert zu sein und gut zu riechen, bevor er aus dem Haus ging.
    Als nächstes fällt mir ein, wie es roch, wenn ich aus dem Wald immer näher zur Straße kam. Ich bin gegenüber von einem Wald mit Seen (Sechsseenplatte) aufgewachsen. Es trennte uns nur die Hauptstraße von diesem Wald. Den Geruch der Abgase nahm man im Alltag nicht mehr wahr. Nur wenn ich nach einem Waldspaziergang aus dem Wald kam. Je näher ich der Straße kam, desto stärker roch es. Mit den Geräuschen war es genauso.
    Liebe Grüße
    Martina

    P.S. Du hast den Namen der Freundin S. einmal ausgeschrieben. Evtl. Ein Versehen?

    • Liebe Martina, erst einmal Danke für den Hinweis. Ich hatte den Namen versehentlich ausgeschrieben! Ich weiß nicht wo die Sechseenplatte ist, aber ich stelle mir eine sehr schöne Gegend vor. Die Phacelia werden auch Bienenfreund genannt. Danke für deinen Kommentar und ganz liebe Grüße zu dir.

  2. Alle Gerüche verbindest du mit etwas Angenehmen. Das ist schön. Und es zeigt, dass man alle Sinne einsetzen muss, um alle Eindrücke aufzunehmen, für den Moment und für später.
    Behalte alles gut in Erinnerung.
    Liebe Grüße

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