24. Dezember – Doppelte Weihnachtsfreude

Doppelte Weihnachtsfreude
Auch wenn das Geld meines Vaters knapp bemessen war, so ließ er es sich dennoch nicht nehmen, für jedes Familien Mitglied ein liebevoll ausgewähltes Weihnachtsgeschenk zu kaufen.
Eines Tages wurde er allerdings auf wundersame Weise ganz unerwartet beim Einkauf des Geschenkes, welches meiner Mutter zugedacht war, selbst zum Beschenkten.
Beim Bummel durch die Stadt hatte er vor dem Schaufenster einer Parfümerie Halt gemacht, in dem einige Kosmetiktäschchen mit entsprechendem Inhalt in sehr hübschem Design ausgestellt waren.
Vor jeder Tasche standen kleine schwarze Täfelchen mit jeweils einer Ziffer, die nebeneinander aufgereiht den Preis anzeigten.
Sein Blick blieb auf einer Tasche in der hinteren Reihe hängen, die mit einem Flakon des Lieblingsduftes meiner Mutter und einem passenden Badezusatz bestückt war.
Der Preis war zwar nicht unerheblich, aber er dachte, er wäre gerade noch im Rahmen seiner Möglichkeiten.
Daher ging er in das Geschäft und ließ sich die ausgewählte Tasche als Geschenk verpacken.
Als der Verkäufer ihm aber den Preis nannte, stockte meinem Vater vor Schreck der Atem und als er fassungslos nachfragte, weil er dem Preisschild im Schaufenster einen um einiges geringeren Preis entnommen hatte, stellte sich heraus, dass eines der kleinen Täfelchen umgekippt war und aus diesem Grund der falsche Preis angezeigt wurde.
Traurig sagte mein Vater, dass er sich das nicht leisten könne und bat verschämt um Verzeihung während er sich schon in Richtung Ausgang wendete.
Da ließ sich aus dem Hintergrund die Stimme des Ladenbesitzers vernehmen, die zu dem Verkäufer sagte: „Der Herr bekommt die Tasche zu dem Preis den er gesehen hat, denn schließlich ist doch bald Weihnachten!“
Ihr könnt euch vorstellen wie erstaunt mein Vater war und wie liebevoll sein Herz von dieser Großzügigkeit berührt wurde.
Als alle Geschenke am Weihnachtsmorgen ausgepackt waren, begann mein Vater von seinem außergewöhnlichen Erlebnis zu erzählen.
In unseren Herzen wurde es dabei sehr warm und es war als ob sich ein ganz besonderer Glanz im weihnachtlichen Zimmer ausbreitete.
Von diesem Tag an trugen wir alle dieses wundersame Ereignis wie einen verborgenen Schatz mit uns und an jedem Weihnachtsfest breitete sich erneut dieser zauberhafte Glanz in unserem Zimmer aus, wenn wir uns an dieses außergewöhnliche Erlebnis erinnerten und unsere Weihnachtsfreude wurde dadurch mindestens doppelt so groß.

Nach einer wahren Begebenheit, die mir eine Freundin erzählte.
Beate Neufeld

23. Dezember – Weihnachtliche Vorfreude

Weihnachtliche Vorfreude

Wenn es einen Experten für weihnachtliche Vorfreude gibt, dann war das mein Großvater, da bin mir ich ganz sicher!
Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht schon lange vor Weihnachten mein Weihnachtsgeschenk fertigzustellen. Niemals hätte er ein Geschenk gekauft, nicht weil er zu geizig dazu war, nein er sagte immer mit dem Brustton der Überzeugung: “ Nur ein Geschenk das man selber gemacht hat ist ein richtiges Geschenk, weil da Liebe drin steckt.“
Ja und Liebe hatte mein Großvater Gustav jede Menge zu geben und das nicht nur in Form von handgemachten Geschenken.
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er einmal keine Zeit gehabt hätte, wenn ich ihn besuchen wollte. Wenn er das Klacken des Gartentörchens hörte, stand er meist schon in der offenen Haustür, bevor ich den Weg zum Haus auch nur zur Hälfte zurück gelegt hatte. Jedes Mal strahlten seine Augen und freudig breitet er beide Arme aus und rief mir zu: “ Hummelchen, komm flieg!“
Dann rannte ich los und ließ mich von ihm auffangen und wild herumwirbeln.
Ganz besonders spannend war es, wenn ich ihn in der Adventszeit besuchte.
Mein Geschenk bewahrte er in jedem Jahr unter seinem Bett auf.
Am ersten Adventssonntag ging es schon los.
Er machte ein sehr geheimnisvolles Gesicht und lockte mich mit leiser Stimme: „Na, meine Kleine, was meinst du, wollen wir mal spinksen?“
Dann legten wir uns ganz nahe bei der Zimmertür, also im weit möglichsten Abstand zum Bett, bäuchlings nebeneinander auf den Boden und ich spähte wie mit Adleraugen in die Ecke, in der ich das Geschenk vermuten konnte. Es stand stets im hintersten Winkel ganz an der Wand.
Da es draußen um diese Zeit schon dunkel war und das Licht im Schlafzimmer für unsere heimliche Spionage-Mission natürlich nicht eingeschaltet wurde, konnte ich nichts erkennen.
Aber selbst dieses „Garnichts“ war schon so aufregend, dass es in meinem Bauch zu kribbeln begann.
Am nächsten sowie an allen darauffolgenden Tagen wurde dieses Prozedere wiederholt.
Aber mein Großvater hatte natürlich eine Steigerung eingeplant . Vom ersten Tag an zog er mit einem Bleistift und einem Lineal einen Strich auf die Stelle des Bodens, die mein Kinn beim Spinksen berührt hatte. Jeden weiteren Tag durfte das Kinn 1cm weiter nach vorne und so stieg die Spannung von Tag zu Tag und es wurde immer kribbeliger in meinem Bauch.
Auch wenn ich bis zum 4. Adventssonntag außer einem schattenhaften Umriss nichts erkennen konnte, werde ich diese Vorfreude, die mein Großvater mit seiner Inszenierung hervorgelockt hatte, niemals vergessen. Selbst heute noch liegt für mich mit dieser Erinnerung immer noch ein ganz besonderer Zauber über der Vorweihnachtszeit.

Es muss wohl an den Genen liegen, denn mein Vater hatte, inspiriert von seinem Vater, ebenfalls eine ganz spezielle Methode entwickelt, um mit Spannung meine Vorfreude zu steigern.
Er veranstaltete mit mir ein Rätselraten. Mit verschwörerischer Stimme raunte er: Soll ich dir etwas über dein Geschenk verraten?
An jedem Tag verriet er mir ein klitzekleines Detail über meine zu erwartenden Weihnachtsgabe. Am eindrucksvollsten ist mir dieses adventliche Erlebnis aus dem Jahr, in dem ich meinen 6. Geburtstag gefeiert hatte in Erinnerung.
Es ging los mit dem Hinweis:“ Du kannst es so weit ziehen.“ Und er streckte dabei seinen rechten Arm weit über seinen Kopf und den linken Arm fast bis zu seinem Knie. Oh wie war das spannend, was sich in meinem Kopf dazu für Ideen entwickelten.
Ein paar Tage später meinte mein Vater, es sei Zeit für den nächsten Hinweis und er verriet: „Du kannst es auch so ziehen.“ Und er streckte seine rechte Hand seitwärts zur rechten Seite und die linke Hand zur linken Seite. Meine Güte, ein so dehnbares Ding , was konnte das nur für ein wunderbares Geschenk sein.
Beim nächsten Mal eröffnete er mir die Aussicht darauf, dass das Geschenk sich auch an die Wand hängen ließ. Nach weiteren Tagen in denen die Spannung und Vorfreude weiter in mir gewachsen waren, sagte er, dass es sich auch um meinen Bauch binden ließe. In meinem Kopf entstanden die vielfältigsten Fantasien und die das Kribbeln war kaum noch auszuhalten.
Eines steht fest, in dem besagten Jahr habe ich eine ganz besondere Lektion für mein Leben gelernt: Die Vorfreude ist die schönste Freude,!
Dieses Sprichwort erwies sich als absolut wahr und ich wusste es genau in dem Moment, als ich am Weihnachtsmorgen mein Geschenk in den Händen hielt:
Eine funkelniegelnagelneue Strumpfhose!

Von Kindheitserzählungen einer Freundin inspiriert
Beate Neufeld

22. Dezember – Der kleine bunte Stern

Der kleine bunte Stern

Es war einmal ein sehr sehr kleiner Stern. Er war der Kleinste in seinem Sternenhaufen. Schon viele Millionen Jahre strahlte er neben seinen Sternengeschwistern. Diese nahmen ihn aber nicht ernst, weil er so winzig war. Den lieben langen Tag schwatzten und lachten sie miteinander und hatten Wichtigeres zu tun, als sich mit dem Winzling zu befassen.
Ihr Lieblingsbeschäftigung war es, sich vom Glanz der Sonne, dem größten aller Sterne bescheinen zu lassen. Sie wurden nicht müde ihr nachzueifern und verbrachten daher die meiste Zeit des Tages damit, sich gegenseitig ihre Strahlen zu polieren.
Den winzig kleinen Stern störte es eigentlich gar nicht, dass er nicht beachtet wurde, denn er schaute sehr gerne auf die Erde hinunter und beobachtete was da vor sich ging.
Die größte Freude bereitete es ihm, wenn er durch die Fenster in die Häuser der Menschen blicken und Anteil an ihrem Leben nehmen konnte.
Unermesslich viele Stunden hatte er damit schon zugebracht.
Ein besonderes Vergnügen bereitet es ihm, wenn er die Kinder beobachtete, wie sie ausgelassen lachten und spielten, da hüpfte auch in ihm sein kleines Sternenherz vor Freude.
Aber er sah auch die traurigen Ereignisse und da wurde ihm sein Herz schwer.
So konnte es mit den Jahren geschehen dass sich sein Aussehen veränderte.
Er erstrahlte nicht mehr in einem makellosen Glanz, weil alle Farben des Lebens sich nun in ihm spiegelten, nicht nur die hellen und strahlenden, sondern auch die dunkeln und matten.
Seine Sternengeschwister hatten die Veränderung lange nicht bemerkt, zu sehr waren sie damit beschäftigt ihre Größe und ihr Strahlen miteinander zu vergleichen. Eines Tages aber schaute einer von ihnen den Kleinen fassungslos an und stupste den Stern neben sich in die Seite: „Schau dir mal den Winzling an, der sieht merkwürdig aus, irgendwie schmutzig und gar nicht schön.“
Als die anderen Sterne im Sternhaufen darauf aufmerksam wurden, begannen auch sie abfällig über ihn zu reden. „Was schaust du auch die ganze Zeit auf die Erde herunter, kein Wunder das du so glanzlos geworden bist. Wir Sterne sind dazu bestimmt, unseren Glanz zu pflegen.“
Der winzig kleine Stern wurde traurig als er die Worte der anderen Sterne hörte, die aber schon bald wieder das Interesse an ihm verloren und sich ihrer Glanzpflege widmeten.
Dann kam er, der Abend an dem etwas ganz Besonderes geschah.
Der kleine bunte Stern schaute wie schon an den vergangenen Abenden in das Fenster von Florian, der auch heute wieder in seinem Zimmer saß und weinte.
Seine Mutter kam herein und nahm ihn tröstend in den Arm.
Florian wollte sich gar nicht beruhigen lassen.
Der kleine bunte Stern wusste, warum der Junge so untröstlich war. Vor nicht allzu langer Zeit war er mit seinen Eltern neu in diese Stadt gezogen und war sehr einsam, weil er einfach noch keine Freunde gefunden hatte. In seiner Klasse fühlte er sich fremd und unwohl.
Zu allem Unglück war vor zehn Tagen seine kleine Katze Maunzi von einem Auto überfahren worden und fortan war es nur noch dunkel in ihm. Alle Freude und Hoffnung hatte er verloren.
An diesem besonderen Abend beobachtete der kleine bunte Stern wie Florian von seiner Mutter an das Fenster geführt wurde und wie sie mit ihrer Hand nach oben zum Sternenhimmel zeigte. Er hörte wie sie zu ihm sprach: „Sieh nur, wie schön die Sterne heute strahlen.
Florian wandte seinen Blick nach oben. Eine ganz Weile hatte er den Sternenhimmel angeschaut und dann plötzlich entdeckte er unter all den glänzenden Sternen diesen einen winzig kleinen ganz besonderen Stern, der alle Farben des Lebens trug und dessen Licht durch Hell und Dunkel hindurch zu strahlen vermochte.
In diesem Moment wurde Florian sonderbar berührt. In seinem Herzen fühlte er eine sanfte Wärme und Florian ließ den kleinen bunten Stern eine lange Zeit nicht aus den Augen.
Da geschah es, dass sich die Farben des Lebens auch in seiner Seele spiegelten und das durch das Dunkel seines Herzens ein zarter Strahl zu leuchten begann. Es war als wenn das Samenkorn der Hoffnung sich öffnete und ganz sachte seine Wurzeln entfaltete.
In Florians Gesicht zeichnete sich ein sanftes Lächeln, das von der Ahnung gespeist wurde, dass die Traurigkeit nicht ewig verweilen konnte und die Fröhlichkeit wieder Einzug halten würde.
Dieses Erlebnis machte den kleinen bunten Stern sehr glücklich und nun wusste er, dass er dazu bestimmt war, eine ganz besondere Botschaft auszustrahlen.
Wenn du deine Herzensaugen öffnest, kannst auch du ihn erkennen, diesen ganz besonderen winzig kleinen bunten Stern, der dich daran erinnert, dass das Leben alle Farben trägt, und dass das Licht auch durch die Dunkelheit hindurch scheint.

Beate Neufeld

21. Dezember – Das verborgene Geschenk

Das verborgene Geschenk

In diesem Jahr sollte alles anders werden.

Die Adventszeit war auch in diesem Jahr wieder wie auf leisen Sohlen so überraschend herangeschlichen, das Anja Mühe hatte, sich vom Herbst zu lösen. Aber ihr Vorhaben, sich nicht vom allgemeinen Weihnachtsstress überrollen zu lassen, konnte sie zum ersten Mal in die Tat umsetzen. Fast jeden Abend nahm sie sich Zeit, eine Ruhepause einzulegen und in der Bibel oder anderen Büchern zu lesen und sich intensiv mit dem Weihnachtsgeschehen zu beschäftigen. Manchmal zündete sie eine Kerze an und lauschte einer meditativen Musik. Das alles trug dazu bei, dass in ihrem Herzen die Freude beständig wuchs.

Eines Abends dachte sie an die bevorstehende Weihnachtsfeier in ihrer Frauengruppe.
Das gemeinsame Wichteln war dabei zur Tradition geworden. Dazu brachte jede Frau ein kleines Geschenk mit, das nicht selten auch selber gebastelt wurde.
Sie hatten sich darauf geeinigt, dass die Freude am Beschenken im Vordergrund stehen und daher nicht viel Geld ausgegeben werden sollte. Die Päckchen kamen dann in einen Sack und nach der Reihe durfte jede Frau ein Geschenk daraus entnehmen.

Beim Gedanken an das Wichteln machte sich zum ersten Mal ein mulmiges Gefühl in Anjas Magengrube breit. Vor zwei Jahren hatte Simones Sohn im Kindergarten eine Kerze mit bunten Wachsplättchen verziert. Sie war nicht wirklich schön, und ausgerechnet dieses Exemplar war dazu bestimmt, in Anjas Händen zu landen. Mit neidvollem Blick hatte sie die hübsche und kreative Ausbeute der anderen Frauen betrachtet und nachdem sie ihre Enttäuschung herunter geschluckt hatte, wurde die Kerze zu Hause schnellstmöglich abgebrannt und damit auch wieder vergessen. Was ihr im letzten Jahr zuteil wurde, war nicht erfreulicher als im Vorjahr, zum Glück hatte sie die Erinnerung daran soweit verdrängt, dass sie nicht mehr sagen konnte, was ihr zuteil wurde. Aber nun schlich sich eine unangenehme Vorahnung in ihr Herz: Sie war sich fast sicher, dass sie auch in diesem Jahr wieder so ein unzumutbares Geschenk mit nach Hause nehmen musste.

Als der Tag der Weihnachtsfeier gekommen war, machte sich Anja schon früh morgens gut gelaunt an das Einpacken ihres Mitbringsels, das sie liebevoll ausgewählt hatte.
Sie summte dabei die Melodie ihres Lieblingsliedes leise vor sich hin und war ganz bei der Sache.
Als sie abends den festlich geschmückten Raum betrat, streifte ihr erster Blick den Schrank, auf dem bereits eine ganze Reihe von niedlichen Päckchen aufgereiht standen. Noch guter Dinge stellte sie ihren Beitrag zu den anderen. Als Simone schließlich den Raum betrat und ihr Geschenk auf den Wichteltisch stellte, war sie wieder da, diese unerträgliche, hellsichtige Gewissheit: Dieses hässliche Etwas, eine Klorolle mit Buntpapier als Kerze hergerichtet, sollte ihr gehören.
An einigen Stellen war das Papier zerdrückt und eingerissen,- der Sohn von Simone hatte offensichtlich seiner geballten künstlerischen Begabung mit ungebremster Motivation freien Lauf gelassen. Nun begann die Bescherung.

In diesem Jahr sollte alles anders werden.

Die Päckchen wurden nämlich mit einer Zahl versehen.
Jede Frau zog ein Zettelchen mit einer entsprechenden Nummer, und bekam dann ihre Überraschung. Anja biss die Zähne zusammen und versuchte sich mit aller Kraft gegen die penetranten Gedanken zu wehren, die wie ein Fluch auf ihr lasteten. So nahm sie dann auch mit verkrampften Gesichtszügen ihre Gabe entgegen.
Es kam wie es kommen musste, sie bekam was ihr zustand, und ließ es auch sogleich
mit einem gekünstelten Lächeln in ihrer Tasche verschwinden, um es nie wieder eines Blickes zu würdigen: Das Klorollenprachtstück!

Als alle Frauen ihre Kostbarkeiten mit viel Freude ausgepackt hatten, kam der Höhepunkt: Die nervige Simone fragte Anja doch tatsächlich vor versammelter Mannschaft, ob ihr denn das Geschenk gefallen würde.
Aus Anjas Mund kam nur ein klägliches Dankeschön.
Aber Simone blieb hartnäckig: Ob Anja denn wirklich annehme, dass das, was sie gesehen habe wirklich ihr Geschenk sei? Sie solle es doch einmal auspacken!
Verwirrt und unsicher nahm Anja die Klorolle aus der Versenkung und entfernte das Buntpapier. Da kullerte eine mit Goldlack bepinselte Walnuss heraus.
Sie hatte ein winziges Scharnier, und als Anja sie zögernd und vorsichtig öffnete, da blieb ihr vor Verwunderung der Mund offen stehen: Innen war eine wundervolle Krippe beherbergt, deren Figuren aus zierlichen Ästchen geschnitzt waren.
Anja schämte sich und gleichzeitig wurde sie mit einer tiefen Freude erfüllt.
Ehrfürchtig und ergriffen bestaunte sie das schönste und wertvollste Geschenk, das sie je erhalten hatte.

In diesem Jahr sollte alles anders werden.

(Nach einer wahren Begebenheit)

18. Dezember – Der Glitzerstein

Der Glitzerstein

Die Sonne schien und in der Ferne hatte sich eine schmale Wolkenreihe wie zu einer Kette am sonst makellos blauen Himmel aufgereiht.
Wir hatten uns an diesem letzten Urlaubstag entschlossen die Stunden vor der Heimreise ganz entspannt am Ufer des Sees zu verweilen.
Eine wohltuende Ruhe hatte sich über dieses Fleckchen Erde gelegt, so als ob ein vorwitzige Seemöwe sich auf den Uhrzeiger gesetzt und die Zeit ein wenig ausgebremst hätte.
Die Temperaturen und das Licht der Sonne waren fast sommerlich aber doch irgendwie anders.
Es kam mir vor, als wären wir durch eine Zeitlücke in eine andere Dimension gelangt, irgendwo zwischen „nicht mehr Sommer und noch nicht Herbst“.
Als ich also am Ufer saß und meinen Blick über die Steine zu meinen Füßen schweifen ließ, fand ich ihn, den Glitzerstein.
Weil sich die Sonne in tausend Pünktchen auf seiner Oberfläche widerspiegelte, entdeckte ich ihn zwischen all den anderen Steinen.
Ich hob ihn auf und bewegte ihn in meiner Hand und dabei bemerkte ich, dass der Stein sein Aussehen verändert, je nachdem aus welchem Blickwinkel ich ihn betrachte.
Einmal wirkt er völlig unauffällig und wenn ich den Stein dann um ein paar Millimeter drehe, beginnt er zu funkeln als wenn die Sonne ihr Licht in abertausend Lichtspritzern auf die Erde geworfen hätte und einige davon in diesem Stein eingebunden wären.
Ist es nicht auch ganz ähnlich mit meinem Leben, sinnierte ich?
Je nachdem aus welchem Blickwinkel ich meine Lebenszeit betrachte, je nachdem wie ich es drehe und wende, kann ich mir die sonnigen Seiten ins Bewusstsein zurückrufen und darin den Segen des Lichts erkennen, der über meinem Lebensweg liegt und auch die dunklen Zeiten überdauert.

17. Dezember – Das Geschenk des heutigen Tages

Das Geschenk des heutigen Tages

Neulich hörte ich einen Spruch in dem sinngemäß zum Ausdruck gebracht wurde, dass jeder Mensch bei seiner Geburt die ganze Welt geschenkt bekommt und dass die meisten Menschen sterben, bevor sie auch nur das Geschenkband gelöst haben.
Nun, ich stelle es mir so vor, dass unzählige Geschenke auf meinem Lebensweg liegen und darauf warten, von mir entdeckt und ausgepackt zu werden.
Heute war solch ein Tag, an dem mein Blick aufmerksam und meine Sinne wach waren.
Ich habe meine Geschenke heute ausgepackt:
Der Duft des Sommers nach Getreide und Lindenblüten, der Gesang der Lerchen und das muntere Krächzen der Krähen.
Die Wölkchen über dem Feldweg und die mutige Mohnblume die als Einzelexemplar stolz und selbstbewusst noch ein Stückchen höher gewachsen ist als alles um sie herum.
Die Sonne auf meiner Haut und das gelegentliche kühle Lüftchen.
Der Anblick der friedlichen Landschaft, die nichts weiß von Feindschaft und Kampf.
Ich wünsche dir, dass auch du deine Geschenke auspacken wirst! Heute, morgen und an jedem deiner Tage!