Nicht die schönste Aussicht

 

Nicht die schönste Aussicht, aber doch auch schön!

Heute Nachmittag bin ich zu Fuß ins Dorf gelaufen, weil ich einige Besorgungen machen und die Zeit gleichzeitig für einen kleinen Spaziergang und zum Kraft und Frischluft tanken nutzen wollte. Auf dem Rückweg setzte ich mich noch ein wenig auf die Bank die am Radweg steht, mit Blick auf die Felder.

Ich überlegte , ob ich ein Foto machen sollte und dachte mir: Naja, das ist ja nicht die schönste Aussicht, das kannst du im Blog nicht zeigen. Dann dachte ich mir: Warum muss denn immer alles „perfekt“ sein, so ist das Leben doch auch nicht.? Und dann dachte ich mir: Ich zeig das jetzt trotzdem, denn es ist doch schön genug! Ich sitze gerne hier und genieße die Ruhe und bin dankbar, dass hier eine Bank zum Verweilen steht.

Auch die Ruhe hier ist nicht „perfekt“, aber doch entspannend genug und andererseits habe ich heute beim „Nur hier sitzen“ (Gudrun ich denke an dich 🙂 ) wieder etwas Interessantes gehört:

Autofahrer die über den Radweg fahren sind Idioten. Das sagte eine Mutter im Vorbeiradeln zu ihrem Kind. Aha so so, wieder etwas dazugelernt. Kann ja niemals schaden!

Und noch etwas: Der Walter macht seine Frau nochmal fertig. Das sagte die ältere Dame zu ihrem Begleiter und ich schließe daraus, dass er Walter heißt und die Beiden verheiratet sind. Manche Frauen haben es wohl nicht so leicht mit ihren Ehemännern.

Manchmal kommt es ganz anders

Die goldene Herbstsonne hat mich heute hinausgelockt und ich hab meinen kleinen Rucksack gepackt und bin zu einem meiner Lieblingsplätze in „unserem Wald „ gewandert. Ja, ihr kennt ihn bereits. Eigentlich hatte ich es mir das ganz anders vorgestellt. Ich wollte hier nur eine kleine Rast einlegen und in der Stille des Waldes Ruhe, Sonne und Kraft tanken. Was bekam ich: Eine Horde Schulkinder samt Lehrer auf Ausflug. Schon von weitem hallten die Kinderstimmen durch den Wald. Ich konnte zum Glück sofort auf positives Denken umschalten und dachte: Wie schön, dass es diese Kinder gibt, dass sie leben dürfen, sie sind die „Gestalter“ der Zukunft. Ich fand dann tatsächlich am Rande einer Bank noch ein Plätzchen zwischen all den Tüten und Rucksäcken und ließ meinen Blick ins Tal schweifen. Habt ihr das schon mal ausprobiert: Die Stille hinter allen Tönen zu hören? Ich hab das „trainiert“, habe den Impuls vor längerer Zeit einmal von Eckart Tolle aufgegriffen und wenn ich einigermaßen gut drauf bin kann ich auf diese Weise die Geräuschkulisse und alles um mich herum ausblenden und auch im Trubel zur Ruhe kommen. Zumindest eine Zeitlang gelingt das. Heute saß ich eine gute Stunde dort und sah die eine Schulklasse von dannen ziehen, eine zweite Schulklasse kommen und bleiben, wieder weiter gehen, sie wurde just abgelöst von einer kleineren Männerwandergruppe mit „interessanten“ Gesprächsthemen. Ja, ich muss zugeben, da habe ich eine kleine Ausblendepause gemacht. Ich erfuhr also so ganz ungewollt und nebenbei, wie man einer Frau, die mehrfach Geld aus dem „Klingelbeutel“ gestohlen hat, das Diebeshandwerk legt und dass das eine gute Tat ist! Nachdem die Männer ihren Weg fortgesetzt hatten kam sogleich ein Ehepaar, Urlauber wohl, die sich aber vergleichsweise leise unterhielten. Dann gesellte sich eine größere Gruppe Menschen verschiedener Nationalitäten zu „uns“ und ich durfte während einer weiteren kurzen Ausblendepause original gepfälzertes Englisch auch Pfänglisch genannt (seit heute meine neue Wortkreation) genießen. Nachdem diese Gruppe auch das Weite gesucht hatte und ich von Ferne wieder Kinderstimmen hörte und gewahrte, dass diese Schulklasse sich offensichtlich genau das von mir geplante Wanderziel auserkoren hatte, beschloss ich es für heute gut sein zu lassen! Ich trat also den Rückweg an und traf noch Karl, den Käfer, der sich wohl wahrscheinlich wegen des munteren Treibens im Walde einen besseren Überblick verschaffen wollte.Aber ich komme wieder !

 

 

 

Abschied nehmen

Nachdem ich im Januar von meiner geliebten Hundedame Abschied nehmen musste, ist es jetzt an der Zeit auch den kleinen Garten hinter unserer Scheune loszulassen. Er wird zwecks Wohnbebauung verkauft. Zugegeben, im vergangenen Jahr habe wir uns kaum dort aufgehalten und so verwilderte er zunehmend. Nun sieht es dort hinten so aus.

In den letzten Wochen  habe ich öfter dort gesessen und an die vergangenen Jahre gedacht. Unsere beiden Mädels haben hier viel gespielt, es gab ein Gehege für unsere drei Kaninchen, es stand ein Swimmingpool dort und später ein Trampolin. Priska ist immer mit Vergnügen in den Garten gegangen. Man hat einen schönen Blick auf den Nachbargarten.


Ich höre Kinderlachen und Hundegebell, das leiseste Geräusch aus dem Nachbargarten hatte Priska dazu animiert vehement ihr Revier zu verteidigen. Es war ganz klar, sie war die Chefin im Garten!


Sie liebte es sich hier im Sommer zu sonnen.


Es gab immer etwas zu entdecken.

Und im Herbst bereitete es ihr großes Vergnügen, sich in den Blättern zu wälzen.

Mein Herz ist schwer, während ich diesen Beitrag verfasse, aber es ist auch wieder leicht, weil ich die Lebensfreude spüre, die Priska überall um sich herum versprüht hat.
Ich möchte bewusst Abschied nehmen und den Schmerz nicht verdrängen. Ich bin so unendlich dankbar, dass ich diese süße Maus hier bei mir haben durfte. Sie hat mir so unsagbar viel gegeben. Am Ende bleibt die Liebe!

 

 

 

 

 

Wer braucht schon ein Arbeitszimmer?

Seit unsere Mädels aus dem Haus sind haben wir den Luxus jeder für sich ein eigenes Zimmer als Arbeitszimmer nutzen zu können. Meines ist gleichzeitig auch noch Gästezimmer.
Aber wie sieht es schon seit Wochen fast ununterbrochen in unserem Wohnzimmer aus?
Seht selbst:

Den Grund für diese „merkwürdige Angewohnheit“ findet ihr, wenn ihr unter den Tisch schaut. 🙂
Das Arbeitszimmer ist nur über eine Raumspartreppe zu erreichen, sie ist also somit steiler als gewöhnliche Treppen sind. Da kommt unsere alte Dame nicht mehr hinauf und so müsste ich sie immer hin und her tragen. Aber da sie ununterbrochen an meiner Seite sein möchte, wäre der häufigeTransport eine sehr mühsame Angelegenheit.
Zum Glück ist im Wohnzimmer auch genügend Platz um meinem Hobby dem Basteln zu frönen.
Ich habe lange nichts gebloggt. Irgendwie rast die Zeit vorbei. Der Oktober hat sich schon längst verabschiedet. Eigentlich wollte ich zum Ende dieses Monats eine Rückschau halten, aber die meisten Fotos habe ich euch schon hier gezeigt.
Einige wenige noch nicht.
Dieses hier zeigt den Monat Oktober wie er uns hier an den meisten seiner Tage verwöhnt hat. Er hat seinem Namen “ Goldener Oktober“ alle Ehre gemacht.

Am letzen Tag des Oktobers war ich in meinem Lieblingsort hier in der Vorderpfalz, dem Ort meiner zweiten Heimat: Deidesheim.Da haben wir das Grab meiner Eltern besucht und für Allerheiligen ein Grabgesteck und eine Kerze hingebracht.
Mit Priska machten wir einen kleinen Spaziergang oberhalb des Friedhofes in den Weinbergen:

Von hier aus hat man einen schönen Blick auf Deidesheim.
Gestern war das Fest des St. Martin. Ich habe mich an meine Kindheit erinnert.
Wie gerne bin ich mit meiner Laterne am Abend mit dem Martinsumzug mitgelaufen. Hinterher haben wir Kinder an einigen Türen geklingelt, unser Martinslied vorgesungen und dafür Süßigkeiten bekommen.
Einmal hatte ich eine besonders schöne Laterne aus schwarzem Tonkarton mit vielen Märchenmotiven, die mit bunten Transparentpapier hinterlegt waren. Nein, selber gemacht war sie nicht, meine Eltern verkauften in unserem Geschäft verschiedene Laternen und diese hatte ich mir wahrscheinlich im Großhandel beim Einkauf ausgesucht. Denn sie war schon etwas Besonders, ich erinnere mich, dass es meistens solche Monde und Sonnen zum Auffalten gab.
Ich hatte hier so wie ich mich erinnere schon einmal davon erzählt, dass ausgerechnet diese Laterne in Flammen aufging und ich wie ihr euch denken könnt untröstlich war.
Davon hatte ich auch meiner größeren Tochter einmal erzählt und was soll ich sagen:  Sie hat mich rückwirkend noch wunderbar getröstet und hat mir eine winzige wunderschöne Laterne gebastelt, an der ich mich nun in jedem Jahr erfreue:
Sehr ihr, sie hat auch ein Märchenmotiv. Ich glaube es ist sehr gut zu erkennen, um welches Märchen es sich handelt. 🙂
Letztes Wochenende war ich bei einem Tanztag im nahegelegenen Bildungshaus eines Klosters. Dort findet in jedem Herbst jeweils ein Tanztag statt, der von zwei ganz lieben Frauen auf ihre so einzigartige wohltuende liebevolle Art gestaltet wird. Jeder dieser Tage steht unter einem Thema um welches sich die meditativen Tänze und Impulse ranken.
In diesem Jahr war das Thema: „Achtsam leben“.
Dabei ging es auch um das Thema Dankbarkeit:
Gerne nutze ich diese Jahreszeit in der es draußen dunkler und karger wird und die uns auf ihre Art nach Innen führen möchte, wenn wir es zulassen. Es gehört für mich dazu, dass manchmal die Stimmung auch etwas “ verhangen“ wird.
Es ist auch so, dass bei mir viele Erinnerungen wach werden in dieser Zeit. Die Türe zur Vergangenheit und auch zu den Menschen, die schon „voraus gegangen sind“ scheint weiter geöffnet zu sein.
In mir schwingt dann auch immer viel Dankbarkeit für all das Gute was ich erleben durfte.
Auf meinem Blog Herzensauge habe ich eine Karte und ein Gedicht gepostet, welche ich einmal zu diesem Thema gestaltet und geschrieben habe, weil sie im Moment so gut passen.

Der wehrhafte Hirsch

Eine Freundin ergatterte neulich bei einem privaten Hofflohmarkt einen Hirschkopf aus braunem Kunststoff. Sofort als sie ihn dort erblickte, hatte sie einen Plan. Er sollte hübsch weiß angestrichen und mit silbernem Weihnachtsschmuck verziert in diesem Jahr als besonderes Schmankerl ihre Weihnachtsdekoration bereichern.
Sie zögerte also nicht lange und  begann mit der farblichen Verschönerungsaktion.
Sehr sorgfältig pinselte sie den Hirschkopf bis in die feinste Ritze hinein mit einem jungfräulichen Reinweiß.
Die Farbe war noch nicht gänzlich getrocknet, da begann schon die Wandlung:
Der Hirschkopf verfärbte sich in ein zartes Rosa.
Unbeeindruckt machte sich meine Freundin ans Werk und trug eine zweite Farbschicht auf. Das Ergebnis war dasselbe. Schon leicht angesäuert machte sie sich am nächsten Tag erneut ans Werk, aber was soll ich sagen, der Hirsch hatte „den längeren Atem“.
Wenn ihr jetzt annehmt, dass sich meine Freundin geschlagen gab, kennt ihr sie schlecht. Sie fuhr in den Fachmarkt für Künstlerbedarf und ließ sich bestens beraten.
Die Lösung lag sofort auf der Hand: Der Kunststoff muss, bevor die weiße Farbe aufgetragen wird, zunächst mit  einer speziellen Grundierung überpinselt werden, dann aber würde der Hirsch ob er wolle oder nicht in reinstem Weiß erstrahlen.
Meine Freundin scheute die nicht ganz so kostengünstige Investition nicht und machte sich siegessicher erneut ans Werk.
Der Lohn war ein sehr zu ihrer Zufriedenheit ausgefallenes Ergebnis ganz nach ihren Vorstellungen.
Der Hirschkopf war so schön anzuschauen, dass er sogar noch lange vor Beginn der Adventzeit einen Ehrenplatz in der Küche an der Wand der Essecke bekam.
Die Idylle aber währte nicht lange. Bereits am nächsten Tag, als meine Freundin mit ihrer Tochter am Esstisch saß, deutete diese mit einer Kopfbewegung hinauf zum Hirsch und sagte sehr vorsichtig : „Ich meine, er ist nicht mehr so ganz weiß wie er gestern noch war?“  Die leise Vorahnung wuchs von Tag zu Tag zur Gewissheit:
Dieser Hirsch wahr äußerst wehrhaft.
Wenn er  schon nicht braun bleiben durfte, wollte er sich aber auf gar keinen Fall in sein Schicksal ergeben. Tief in ihm wurde jetzt sein inneres (Hirsch)Kind wach, das von den Hirscheltern in ein starres Konzept der typisch männlichen Geschlechterrolle gezwäng wurde.  Er durfte zum Beispiel nie seine Vorliebe für zarterosa  Blüten ausleben.Jedes Mal wenn er seine Nase in diese verlockend duftetenden Objekte seiner Begierde stecken wollte, wurde er unverzüglich von seinem Vater weggedrängt mit der Rüge, dass sich das für  einen  Hirschjungen auf keinen Fall schicken würde.
Jetzt hatte er, mit den Jahren zu einem stattlichen Hirschen herangewachsen,  das nötige Selbstbewusstsein, um seine wahre Identität zu leben.
Meine Freundin wird ihn gerne in seiner Selbstfindung unterstützen und schon bald  werden pinkglitzernde Weihnachtskugeln sein Geweih zieren.
Ich kann mich täuschen, aber wenn ich ganz genau hinsehe, dann kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, dass ein leichtes triumphales Grinsen seine Mundwinkel umspielt.