Das Osterlachen

Das Osterlachen

Es war einmal ein sehr sehr kleiner Osterhase. Er war so außergewöhnlich klein, dass er nicht einmal beim Anmalen der Ostereier zu gebrauchen war, denn kein Pinsel passte in seine winzigen Pfoten.Wenn die anderen Osterhasen loszogen um die Eier zu verstecken, musste er zu Hause bleiben, weil er zu schwach war um die Körbe zu tragen.Am Tag vor Ostern holten wie in jedem Jahr in aller Frühe die Hasen die Eier aus dem Hühnerstall damit sie rechtzeitig gekocht waren, denn schließlich brauchten sie genügend Zeit um sie danach anzumalen und in die Körbe zu verteilen.

In diesem Jahr hielt es der kleinste Hase einfach nicht mehr aus und schlich heimlich still und leise hinter den Anderen her und stibitze klammheimlich ein einzelnes Ei. Damit er unentdeckt bliebe, versteckte er sich damit im hohen Gras. Als die Anderen weg waren schleppte er das Ei etappenweise weiter. Er musste immer wieder eine Pause zum Verschnaufen einlegen und so erreichte er schließlich von der Anstrengung schon ziemlich wackelig auf den Beinen die Wiese vor dem Kirchplatz. Dort aber geschah das Missgeschick, denn als er das Ei beherzt ergreifen wollte, um es weiter zu transportieren, kippte er nach hinten und konnte nur noch hilflos zuschauen, wie das Ei auf das Gras kullerte und zerbrach. Der kleine Hase schämte sich so sehr, dass er sich nicht mehr nach Hause traute. Niemand sollte ihn so sehen, denn er war über und über mit Eigelb bekleckert.
Not macht bekanntlich erfinderisch und so setzte er sich in die eine Hälfte der Eierschale und zog die andere Hälfte über seinen winzigen Hasenkopf. So verharrte er und wusste nicht was er nun tun sollte.

Irgendwann musste er vor Erschöpfung eingeschlafen sein und so kam es, dass er am Ostermorgen von einem kleinen Jungen entdeckt wurde, der auf der Suche nach seinem Osternest war. Der kleine Hase bot einen so lustigen Anblick, dass das Kind laut zu lachten begann.
Es kamen nach und nach noch andere Kinder und deren Eltern dazu und sie steckten sich gegenseitig mit ihrem Lachen an

Ein Pfarrer, der unterwegs zur Kirche war, wurde von dem Anblick ebenfalls dermaßen erheitert, dass er das Schmunzeln nicht aus seinem Gesicht bekam.
Selbst als er schließlich zur Kanzel ging um die Osterpredigt zu halten, war es ihm unmöglich ernst zu bleiben und so erzählte er den Gläubigen, von der Begegnung mit dem kleinen Hasen. Bald wurde auch die Kirche mit einem freudigen Lachen erfüllt.
Als die Menschen sich am Ausgang der Kirche vom Pfarrer verabschiedeten, sagten sie, das sie noch niemals zuvor in der Kirche so viel Freude empfunden hatten.
Diese Äußerungen wiederum stimmten den Pfarrer sehr nachdenklich.
Ihm wurde bewusst, dass das Evangelium, welches zu verkünden seine Aufgabe war, seinem Namen „ Die Frohe Botschaft“ bisher wohl keine Ehre gemacht hatte.
Er fragte sich, ob es nicht eigentlich selbstverständlich sein müsse, dass die Menschen die Kirche nach jedem Gottesdienst froher verlassen müssten, als sie gekommen seien?
Ihm war klar, dass es nicht in seiner Macht stand weitreichende Änderungen in die Wege zu leiten, er war schließlich nicht der Papst, aber er beschloss von nun an wenigstens zu jedem Osterfest eine heitere Geschichte von der Kanzel herab zu erzählen.
Es dauerte gar nicht allzu lange bis sich das herum gesprochen hatte und erstaunlicherweise sogar von der Obrigkeit geduldet und als allgemeiner Brauch unter der Bezeichnung „Osterlachen“ eine lange Zeit über gepflegt wurde.


Das Osterlachen gab es tatsächlich in früheren Zeiten und erwacht hoffentlich in heutiger Zeit immer mehr zu neuem Leben.

Ich wünsche euch in diesem Sinne ein freudiges Osterfest.






Das Osterhuhn

Das Osterhuhn
Im Garten hinter dem Apfelbaum wohnte in einem verfallenen Schuppen eine Familie Hühner.
Sie lebten schon lange in beschaulicher Eintracht dort und waren eine eingeschworene Gemeinschaft. Der Friede sollte eines Tages gestört werden, als von den Menschen unwillkürlich ein neues Huhn einquartiert wurde. Alle waren sich sofort darüber einig, dass dieser unliebsame Eindringling nur Scherereien mit sich bringen würde, der Platz würde weniger und die Körnerportion würde kleiner werden, das lag doch auf der (Hand) Kralle.
So würdigten sie Aurelia keines Blickes mehr und ließen es nur sehr ungern zu, dass sie auf der Hühnerstange Platz nahm.
Gemeinschaftlich verbündeten sie sich gegen den unliebsamen Gast indem sie alle enger zusammen und insgesamt ein Stück weiter nach rechts rückten, Aurelia ließen sie dabei einfach links (liegen) sitzen.
Seit ihrem Einzug waren nun gerade mal zwei Tage vergangen und das Osterfest stand vor der Tür, als in die eingefleischte Hühnergesellschaft eine gewaltige Bewegung kam.
Henriette,das älteste Huhn, hatte das Wunder als Erste entdeckt.
Fassungslos blieb sie wie angewurzelt stehen, als sie das Ei erblickte, welches Aurelia gelegt hatte.
Es war und blieb auch bei genauerem Hinsehen tatsächlich grün.
Das hatte es noch nie gegeben, alle Eier die Henriette je zu Gesicht bekommen hatte waren makellos weiß, mit Ausnahme der Ostereier.
Diese wurden allerdings eigenhändig von den Menschen jedes Jahr gefärbt und in die Osternester gelegt, die sie für die Kinder im Garten versteckten.
Als Henriette sich aus ihrer Schockstarre lösen konnte, verfiel sie sofort in ein aufgeregtes Geschnatter und lockte damit alle Mitglieder der Hühnerfamilie herbei. Diese stimmten augenblicklich in das Geschnatter mit ein.
Es dauerte auch nicht lange bis die Stalltür sich öffnete und ein Mensch in den Stall hereinschaute, um den Grund des Tumultes auszumachen.
Auch er staunte nicht schlecht und rief erfreut: „Das ist ja phantastisch, da brauchen wir nun gar nicht mehr alle Eier selber färben, unser neues Huhn hilft uns dabei!“
Nun war es offensichtlich, es lag ganz klar auf der Hand, dass Aurelia ein ganz besonderes Huhn war und sie verschaffte sich mit ihrer außerordentlichen Begabung gehörigen Respekt bei den anderen Hühnern.
Sie wurde nun keinesfalls mehr gemieden sondern fast ehrfürchtig in der Mitte der Sitzstange platziert und jedes Huhn bestand darauf, auch einmal direkt neben Aurelia zu sitzen, deshalb wechselten sie sich nun tagtäglich damit ab.
Von den Menschen wurde Aurelia fortan nur noch.“Unser Osterhuhn“ genannt.

(C)Beate Neufeld

Identitätskrise

Es war am 30.Juli, an einem eigentlich perfekten Sommertag, als die Sonne ganz furchtbar traurig am Himmel hing. Sie fühlte sich irgendwie total schlaff, lustlos und zu nichts nutze. Dabei hatte sie sich in diesem Jahr ganz besonders ins Zeug gelegt und bereits gegen Ende des Frühlings begonnen sich warm zu laufen, ganz nach dem Motto: „Der frühe Vogel fängt den Wurm!“ Hochmotiviert war sie zur Hochform aufgelaufen, kaum dass der Sommer ins Land gezogen war.

Sie fühlte sich dabei so gut wie nie zuvor, endlich würde sie die Menschen einmal vollends zufrieden stellen und niemand würde verzweifelt das uralte, verstaubte Klagelied von dem legendären Holländer heraus kramen! Nein, in diesem Jahr sollte keiner, aber auch wahrhaftig Niemand sich dazu veranlasst fühlen, die Frage nach dem vermissten Sommer zu stellen, geschweige denn zu singen!

Aber was war geschehen, die Sonne musste fassungslos zusehen, wie ihr anstatt begeisterten Jubelrufen und Beifallsstürmen nur missmutige, erschöpfte und verärgerte Gesichter entgegenblickten.

Anfangs hatte sie angenommen, dass sie doch noch nicht genug gegeben hatte und sich einfach noch mehr anstrengen müsse. Sie mobilisierte also ihre letzten Kraftreserven und schaffte es tatsächlich, die Thermometer noch um einige Grade  herauf zu drücken. Aber je mehr sie über sich selbst hinauswuchs, desto mehr Ablehnung schlug ihr entgegen.

So kam es wie kommen musste. Sie fühlte sich von Tag zu Tag schlechter und bekam nun sozusagen hautnah zu spüren, was eine Sommerdepression ist. Der Mond hatte sich das mitleiderregende Spiel aus der Ferne eine Weile angesehen um dann schließlich in letzter Sekunde helfend einzugreifen. Er hatte schon längst seine psychologische Ader entdeckt und nahm sich emphatisch die Sonne zur Seite, als sie sich hinterm Horizont beim Sonnenuntergang begegneten.

Er schaffte es in relativ kurzer Zeit ihren Blickwinkel zu verändern,denn bekanntlich ist das der Schlüssel zum Erfolg jeder Therapie.

Einige simple Fragen, die er der Sonne stellte, relativierten die Dramatik der Situation. „Kannst du dich an den Sommer des letzten Jahres erinnern? Weißt du noch, wie die Menschen auf deine Inszenierung reagiert hatten? Ja richtig, ich erinnere mich auch noch sehr gut an ihre Klagen über zu viel Regen und dass es überhaupt zu bewölkt sei und viel zu ungemütlich und dass das ja wohl kein ordentlicher Sommer wäre“.

Der Sonne wurde schlagartig klar, dass sie es egal wie sie sich auch drehte und wendete wohl niemals allen Menschen recht machen könne und so trocknete sie sich ihr Tränen der Enttäuschung ab und ließ den Sommer Sommer sein und schmunzelte bei dem Gedanken an ihre Reaktionen auf den kommenden Winter.

Eine interessante Erfahrung…

…war für mich am Montag Abend in dieser Woche mein Besuch beim Offenen Kanal Haßloch. Dort wurden 8 meiner Kurzgeschichten für die Sendereihe „Lesezeit“ aufgezeichnet. Die folgende Geschichte, die heute zum Beginn des neuen Monats passt,  habe ich dort auch gelesen:

Der denkwürdige 9. September
Es war an einem dieser wundervollen mildsonnigen Tage, an denen der Sommer „noch in der Tür steht“ um sich zu verabschieden und der Herbst, nur zögerlich und unsicheren Schrittes näher kommt.
So wie jede Woche fuhr ich an diesem Freitag Anfang September auf dem Rückweg von der Arbeit sofort zum Supermarkt, um die Ecke, um beschwingt und voller Vorfreude auf ein geruhsames Wochenende meine Einkäufe zu erledigen.
Schon kurze Zeit nachdem ich das Geschäft betreten hatte, beschlich mich ein seltsames Gefühl. Eine undefinierbare Leere gähnte mir aus den vermeintlich vollen Regalen entgegen.
Krampfhaft überlege ich, was hier fehlte, was mein Begehren weckte, ohne sich mir zu offenbaren. Das Rätsel konnte ich während des gesamten Einkaufs nicht lösen und die Frage ließ mich auch am Feierabend nicht los, verfolgte mich bis ins Bett und grub sich in meinen Träumen eine Rinne.
Das ganze Wochenende hing diese aufdringliche Unzufriedenheit wie ein Damoklesschwert über mir und legte sich wie ein Nebelschleier über die gesamte neue Woche. Ich war total verunsichert und hatte fast ein wenig Angst vor dem nächsten Einkauf.
Als ich dann am folgenden denkwürdigen Freitag Abend, es war der 9. September, ich werde das Datum nie vergessen, voller Anspannung das Geschäft betrat, traf mich die Erkenntnis wie ein Paukenschlag. Die Nebelschleier wurden wie von Geisterhand in tausend Fetzen zerrissen und es ging förmlich die Sonne auf, als ich nach wenigen Schritten vor dem heilbringenden Regal stand, dessen Inhalt mit einem Schlag all meine Kümmernisse in die Flucht schlug. Glückselig badete meine Seele in dem Angebot, das mein Sehnen augenblicklich stillte. Ich konnte nur noch ungläubig über mich selber den Kopf schütteln. Es war mir unbegreiflich, wie ich vergessen konnte, was mir gefehlt hatte um mein innerstes Bedürfnis zu befriedigen. Schon streckte ich meine Hand aus und die erste Berührung legte sich wie ein Pflaster auf meine blutenden Wunden. Freuden trunken hielt ich die Packung mit den echten Nürnberger Lebkuchen in meinen Händen, und als ich ebenfalls Mandelspekulatius und die heißgeliebten Aachener Printen liebevoll in den Einkaufswagen gelegt hatte, war mein Glück perfekt: Wenn auch verspätet, konnte nun doch endlich die Weihnachtszeit beginnen.
Euch Allen eine (frohe Adventszeit 😂) gute Zeit bis zum Wiederlesen.

Akustischer Weihnachtskalender

Heute ist meine Beitrag zum akustischen Weihnachtskalender:
Das verborgene Geschenk, online.
Diese Geschichte habe ich nicht erfunden, eine Freundin erzählte mir ihr Erlebnis und ich habe es  nur etwas ausgeschmückt.


Euch allen wünsche ich ein frohes Wochenende und einen schönen vierten Adventssonntag.

Aufbruch

Das innere Licht

Ein Hirte war er und Daniel hieß er. Schon von Kindheit an, soweit er zurückdenken konnte, war etwas in ihm, das ihm die Gewissheit gab, seinen wahren Namen noch nicht gefunden zu haben. Lange Zeit hatte er sich gegen das bedrängende Gefühl gewehrt, aber es ließ ihn dennoch nie in Ruhe. Schließlich hatte er nur noch einen Wunsch, er wollte sich der erdrückenden Last entledigen, die schwer auf seiner Seele lag. So fasste er den unwiderruflichen Entschluss, sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Namen zu machen. Er wurde getrieben von der Gewissheit, dass ihn erst die Kenntnis dieses Namens zum wahren Leben erwecken würde.

Man sagte ihm, er solle nicht weggehen, denn seine Herde sei ohne ihn verloren. Man warnte ihn, er dürfe nicht flüchten, denn das Schicksal habe ihn an diesen Platz gestellt. Man versuchte ihn davon zu überzeugen, dass sein Vorhaben unsinnig sei, denn kein Mensch habe je einen weiteren Namen erhalten, als den, den seine Eltern ihm bei seiner Geburt gegeben hatten; er solle sich damit abfinden.Alle Einwände und Warnungen konnten ihn nun aber nicht mehr zurück halten.

Befreit und glücklich machte er sich auf seinen Weg. Die Schritte wurden von Minute zu Minute leichter, so dass er schließlich das Gefühl hatte, getragen zu werden. Er bemerkte kaum, wie schnell die Zeit verging, bis er zu jenem Land gelangte, dessen Grenzen noch niemals überschritten wurden.. Seine Seele ahnte bereits, was sein Körper erst allmählich zu spüren bekam, seine Kräfte ließen nach , er bewegte sich nur noch beschwerlich und die Sehkraft seiner Augen wurden schwächer und schwächer. Alles um ihn war wie mit Nebelschleiern verhüllt. Schließlich umgab ihn eine Dunkelheit, die ihn seine Hand nicht mehr vor den Augen erkennen ließ. Voller Verzweiflung schloss er seine Augen, und im gleichen Moment öffneten sich die Augen seines Herzens.

Zum ersten Mal konnte er sich selber im Licht der Wahrheit sehen.
Mit einem überwältigenden Gefühl von Liebe und Geborgenheit empfing er seinen wahren Namen:
Ich bin in Dir
Du bist in Mir
Ich bin Du
Du bist Ich
Er wusste, dass dieser Name unaussprechlich sei, aber er würde ihn nie vergessen und
durch seine Erkenntnis war Daniel zu neuem Leben erwacht.

(C) Beate Neufeld

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Adventkalender 19. Dezember

Ich bin eine große Bücherfreundin. Ein Buchgeschäft zu verlassen und dabei der Versuchung ein Buch einzukaufen widerstanden zu haben,  das gehört nicht zu meinen Stärken.
Im Laufe meines Lebens habe ich immer wieder erlebt, dass meist nicht ich es bin, die die Bücher aussucht, sondern das die Bücher mich sozusagen finden. Diese Erfahrung trifft zumindest auf die wirklich wichtigem Bücher, die immer genau mir im richtigen Moment den Weg zu mir fanden.
Vor ein paar Tagen war es wieder soweit. Diesmal war es mein Mann, der mir ein Buch in die Hand drückte. Aber er hatte es weder für mich gekauft, noch kannte er es, nein es war eigentlich ein Geschenk,  dass er genau wie die anderen Mitarbeiter für eine außerberufliche Tätigkeit bekommen hatte. Er gab es mir, weil er selber nicht den Wunsch hatte es zu lesen.
Was soll ich sagen: Bereits die erste Geschichte erreichte mich genau zum richtigen Zeitpunkt und half mir sehr, meinen Blickwinkel in einer Angelegenheit, die mich ein paar Tage belastet hatte, zu verändern und somit löste sich der ganze Ärger in Wohlgefallen auf. 😉

Ich weiß solche spirituelle Literatur, die nicht abgehoben sondern absolut bodenständig und alltagstauglich daherkommt, sehr zu schätzen.

Miriam und Valentin und die vielen Fragen

Miriam und Valentin und die vielen Fragen

Miriam war 6 Jahre alt und hatte viele Fragen.
Ihren Mitmenschen ging sie mit ihrer ausdauernden Fragerei ziemlich auf die Nerven.
Dies hatte verschiedene Gründe:
Zum einen waren Miriams Fragen von solcher Art, dass sie sich nicht so einfach im Handumdrehen beantworten ließen.
Nein, im Gegenteil, sie forderten die Befragten dazu heraus, über das Leben nachzusinnen.
Die meisten Menschen aber verwendeten eine Menge Energie darauf, genau solche Fragen zu verdrängen und fühlten sich dann durch Miriam aufgerüttelt und unangenehm berührt.
Zum anderen hatten die Menschen für gewöhnlich etwas Besseres zu tun, und Miriams Fragen kamen dann natürlich immer im falschen Augenblick und sie wurde dadurch zum lästigen Störenfried.

Es war ein großes Glück, dass Miriam ihren Großvater hatte.
Valentin wurden Miriams Fragen nie zu viel. Er hatte immer offene Ohren und ließ sich geduldig auf sie ein.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen, wenn sie dann ausnahmsweise mal eine ihrer Fragen beantworteten, ließ Valentin sich meist sehr viel Zeit, bis er die Antwort gab. Manchmal dauerte es sogar mehrere Tage, aber er versäumte es nie!

Eines Tages kam Miriam wieder einmal zu Großvater Valentin und fragte:
„Warum ist unser Herz manchmal schwer und manchmal leicht?“
„ Wieso sterben herzlose Menschen nicht, haben sie etwa noch ein zweites Herz in Reserve?“
„ Warum haben manche Menschen ein großes Herz, warum wächst es nicht bei allen Menschen gleich?“
„ Wie können wir andere Menschen in unser Herz schließen, wo sind die Tür und der Schlüssel zum Herz und wie passt ein so großer Mensch in ein so kleines Herz hinein?“
„Halt, halt halt“, fiel Valentin Miriam ins Wort, deren Fragen sich wie die Perlen einer langen Kette aneinander reihten.
Das war eine außergewöhnliche Reaktion, denn er ließ Miriam sonst immer ausreden.
„Miriam, ich bin mir sicher, wenn Du mir ein wenig Zeit lässt, dann finde ich eine Antwort, die alle deine Fragen gleichzeitig beantwortet, auch die, die du jetzt noch stellen wolltest.“
Miriam gab sich zufrieden, denn sie wusste, dass sie die Antwort sicher bekommen würde.

Als drei Tage vergangen waren, rief Valentin das Mädchen zu sich und sagte:
Weißt du, ich kann mir vorstellen, dass wir Menschen zwei Herzen haben.
Eines davon ist das Körperherz, dessen Schlag du in deiner Brust spürst.
Das zweite können wir Seelenherz nennen.
Es ist größer als unser Körperherz und umgibt es wie eine Schutzhülle.
Wenn wir es zulassen, dann wächst dieses Seelenherz im Laufe des Lebens immer weiter und weiter. Je größer es wird, desto mehr Platz ist in unserem Leben für die Liebe und desto weniger Platz bleibt für Sorgen und Ängste.

Nachdem Miriam ihren Großvater lange mit großen Augen nachdenklich angeschaut hatte sagte sie schließlich:
„Opa, du hast mir wirklich fast alle Fragen auf einmal beantwortet, aber eine Frage ist doch noch übrig geblieben.
Du hast gesagt, dass unser Seelenherz immer weiter wächst, wenn wir es zulassen. Was bedeutet das, wie kann ich mein Seelenherz wachsen lassen?“

Das war der Moment, in dem Miriam zum ersten Mal erlebte, dass Großvater Valentin ihr keine Antwort auf ihre Frage gab, sondern ihr erwiderte:
„Diese Antwort kann ich dir nicht geben, du allein kannst sie nur finden, wenn du dein Seelenherz fragst.“

(C) Beate Neufeld, 05.10.2014
Herz

Das Fest der Liebe

Das Fest der Liebe

Als ich meine Herzenstür geöffnet hatte, bist du in mein Haus gekommen. Anfangs ließ ich dich nur in meinen schönsten Raum hinein, den ich für Dich bereitet hatte. Darin war alles aufgeräumt und sauber.

Aber schon bald wurde es mir darin zu eng, und ich wollte auch die anderen Räume für Dich öffnen. Stück für Stück begann ich mit den Aufräumarbeiten, bis meine Kraftreserven aufgebraucht waren, und schließlich saß ich resigniert und ausgelaugt in einem Raum fest,den ich einfach nicht zufriedenstellend herrichten konnte. 

Beinahe hätte mich die Dunkelheit und Enge darin erdrückt, aber in meiner größten Verzweiflung fasste ich den Mut und öffnete die Türe nur einen Spalt breit, um nach deiner Hilfe zu rufen.
Im selben Moment füllte sich dieser erbärmliche und armselige Raum mit deiner Liebe und Deinem Licht.. Neu belebt von dieser überwältigenden Kraft eilte ich durch mein ganzes Haus und öffnete unverzüglich alle noch verschlossenen Räume und ließ dich darin Einzug halten.
Seit dem wohnst du in jedem Raum und erleuchtest selbst den kleinsten Winkel meiner Dunkelheiten.

Wir feiern das Fest der Liebe.

(C) Beate Neufeld

Krippe

 

 

 

 

Schatzkiste

Bild

Okay ich zeig Euch jetzt mal ein paar Bildchen, die ich in den letzten Tagen fotografiert habe, um ein wenig Farbe in den grauen Tag zu bringen:

 Ich hatte mich auf die Suche nach Farbtupfern und kleinen Schönheiten am Wegesrand begeben, die der Herbst zu bieten hat:

Wenn die Landschaft um mich herum langsam karger wird, bemerke ich, dass ich meinen Blick bewusster fokussiere und dadurch noch intensiver „Kleinigkeiten“ wahrnehme, die in der Fülle des Sommers unbeachtet bleiben würden.

Wie in einer Schatzkiste habe ich meine Entdeckungen in mein Herz aufgenommen.  Es kam mir wieder einmal die Geschichte von Frederick in den Sinn:

Frederick ist eine Feldmaus, die nicht wie die anderen Mitglieder der Mäusefamilie die üblichen Vorräte, wie zum Beispiel Nüsse sammelt, sondern Frederick sammelt Sonnenstrahlen und Farben und wird zunächst argwöhnisch und unverständlich von den anderen Mäusen als Faulpelz angesehen. Erst als die Feldmäuse im tiefsten Winter all ihre Vorräte aufgebraucht haben, sind sie offen für das, was Frederick ihnen zu geben hat: Er erzählt so lebendig von den Farben und den Sonnenstrahlen, dass es den Mäusen ganz warm ums Herz wird. Das ist so eine rührend schöne Geschichte in einem wundervoll illustrieren Bilderbuch, die ich meinen Kindergartenkindern und auch später meinen Töchtern immer wieder gerne vorgelesen habe.

Euch allen wünsche ich einen frohen Sonntag, auch oder gerade dann, wenn er nach außen hin grau erscheint! Vielleicht habt ihr ja Lust dazu, Eure innere Schatzkiste zu öffnen und darin ein wenig zu stöbern. 😉