Wolkenfenster und ein neuer Rahmen

Als ich heute im Wohnzimmer in meinem Sessel saß und aus dem Fenster schaute, blieb mein Blick an den vorbeiziehenden Wolken hängen, schon als Kind habe ich das sehr gerne getan, im Sommer auf dem Rücken in der Wiese liegend.
Diese Beschäftigung empfinde ich als total entspannend. Dieses Wolkenspiel ist für mich ein Sinnbild des Lebens. Das Leben ist ja auch ein stetiger Wandel, was manchmal sehr tröstlich sein kann, manchmal auch sehr schmerzlich, je nach Situation und Blickwinkel.

Heute habe ich diesen Anblick dazu genutzt, mich im Annehmen oder Loslassen zu üben, je nachdem wie man es betrachten will. Schon seltsam, dass zwei auf den ersten Blick total gegensätzliche Begriffe ein und den selben Prozess beschreiben können.
Bei mir ist es der Trauerprozess.
„Lolassen bedeutet nicht Loswerden“, das habe ich im letzten Jahr einmal irgendwo gelesen und es hat mir sehr geholfen, den Prozess des Loslassen besser zu verstehen und auch leichter in mein Leben zu integrieren. Bis dato hatte ich immer Probleme, wenn jemand sagte: “ Das musst du annehmen!“  In mir rebellierte es dann.
„Ich will das doch nicht annemen, ich will das doch so gar nicht wie das ist.“
Diese Aussage die ich las, machte mir deutlich, dass es notwendig ( im wahrsten Sinne des Wortes –  Not-wendig) ist, das Unabänderliche anzunehmen, d,h, mich gegen die unangenehmen Gefühle, mich gegen den Schmerz der Trauer nicht zur  Wehr zu setzten sondern ihn zuzulassen.“ Durch die Trauer hindurch gehen“ ist wahrscheinlich eine gute Beschreibung, es heißt ja auch: „da muss ich jetzt durch“.
Das gilt ja keineswegs nur für Trauersituationen, es gibt ja immer wieder im Leben Gegebenheiten, die wir als lästig, unpassend, hinderlich usw, erleben.
Sicher, nicht immer ist dann das Hinnehmen die beste Lösung! Es gilt herauszufinden, ob es gut und möglich ist, an der betreffenden Situation etwas aktiv zu verändern.
Aber wenn wir uns dazu nicht in der Lage sehen, dann ist es hilfreich, sie anzunehmen.
Jetzt aber genug der Philosophie!

Ich möchte noch einen ganz praktischen Tip weitergeben, der eigentlich wie ich gerade bemerke, die praktische Umsetzung des oben Beschriebenen ist, was die Gegebenheiten betrifft, die man ändern kann!
Ich bekam gestern ein kleines Bild geschenkt, das eine Freundin für mich bei einer Ausstellung gekauft hatte und dann selber eingerahmt hatte. Das Bild gefällt mir sehr gut, aber die Einrahmung dazu gefiel mir gar nicht.
Der Hintergrund war leuchtend orange und der Rahmen glänzend silbern.
Früher hätte ich dann das Bild irgendwo so wie es war im Schrank verschwinden lassen, um es irgendwann zu entsorgen.
Heute dachte ich, nein, ich kann es doch verändern!
Dann nahm ich es aus dem Rahmen, malte den Rahmen mit Acrylfarben an und es kam dann auf einen für mich farbig passenden Hintergrund.
Ist ja alles Geschmacksache!
So sieht es jetzt aus:
Und das Schöne ist, ich habe es meiner Freundin geschrieben und ihr dieses Foto auch geschickt, weil ich beschlossen hatte, ehrlich zu sein und dachte, es ist besser ich lasse sie es sofort wissen, bevor sie es irgendwann in unserer Wohnung entdeckt.
Sie hat sehr positiv darauf reagiert. Sie freute sich, dass ich soviel Freude an dem Bild habe und wir haben beschlossen im Frühjahr einmal die Ausstellung des Künstlers zu besuchen, der ganz in ihrer Nähe wohnt.
Euch allen einen schönen Montag Abend.

 

Zeichen des Lebens

Seit Tagen trage ich mich mit dem Gedanken, dass ich schon lange nichts mehr hier geschrieben habe, es kostet mich auch jetzt Überwindung. Aber darin bin ich mittlerweile schon geübt, denn ich bin damit beschäftigt gut auf mich aufzupassen und mich in meiner Trauer immer wieder auszubalancieren.
Einerseits ist es wichtig, die „dunklen“ Gefühle zuzulassen, andererseits ist es gut achtsam zu sein, um nicht darin zu „versinken“.
Im Moment habe ich das Empfinden, dass es Tag für Tag schwerer wird, dass Priska mir jeden Tag ein wenig mehr fehlt. Morgen werden es erst 3 Wochen seit ich sie habe gehen lassen. Mir kommt die Zeit sehr viel länger vor, sie zieht sich wie Kaugummi.
Ich möchte mir die Zeit lassen die ich brauche und mich so annehmen wie ich bin.
Das fällt mir nicht leicht. Immer wieder macht sich da der innere Kritiker stark und möchte mir weismachen, dass ich kein Recht habe so zu trauern, dass ich mich nicht so hängen lassen soll, …
Aber das wird schon, ich darf mich in Geduld üben.
Gestern habe ich mich dann aufgerafft und bin in die Sauna gefahren, was eine wirklich gute Entscheidung war.
Und heute schien wieder so wohltuend die Sonne zum Fenster herein. Auf Priskas Platz im Wohnzimmer steht nun eine Palme, weil ein Zeichen des Lebens ihren Platz einnehmen sollte.

Zwischendurch habe ich mal Pause gemacht und mir ein  Pfannengericht zubereitet : Weißkohl in Zwiebeln und Knoblauch angebraten, mit wenig Wasser gedünstet, noch Birnenscheibchen und eine Hand voll geröstete Erdnüsse dazu und fertig ist der Gaumenschmaus.
Es tut mir auch gut, wenn ich mich dazu motivieren konnte, etwasGesundes und Leckeres für mich zu kochen, dazu fehlte mir in der letzten Zeit oft die Energie.
Nun  wünsche ich euch eine gute Zeit bis zum Wiederlesen.

Abschiedsritual

Heute hat der Tierbestatter die Urne mit Priskas Asche gebracht. Ich habe sie in einen großen Blumentopf in der Erde begraben und ein Topf mit ausgetriebenen Zwiebeln meiner Zweitlieblingsblume, der Osterglocke. als Zeichen des Lebens darauf gestellt. Zwei Herzen aus Bergkristall liegen nun als Grabschmuck darauf.
Im Laufe des Jahres wird  immer mal wieder eine andere blühende Pflanze dort stehen.
Im nächsten Jahr, wenn die Urne zerfallen ist, werde ich diese Erde aus dem Topf in einen größeren Kübel mit frischer Erde dazugeben und eine winterharte Pflanze setzen.
Die Trauer braucht Zeit, es ist ein Auf und Ab, was meine Stimmung bestrifft, aber es geht alles einen guten heilsamen Weg.

Im Schreibblog Herzensauge könnt ihr das Gedicht lesen, welches ich nach dem Abschiedsritual geschrieben habe.

Ein ganzes Leben

Unsere liebe alte und kranke Hundedame haben wir gestern erlösen lassen.
Priska hatte Ende letzten Jahres, so um Weihnachten rum eine schwere Blasenentzündung, die auch immer wieder aufgeflammt ist. Zuletzt hatte sie immer noch etwas Eiweiß im Urin. Dazu kam dann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, die Behandlung hatte nur sehr kurzfristig, also am Tag selber, wenn sie die Medikamente und Aufbauspritze bekommen hatte bewirkt, dass sie wieder fressen wollte, aber sie konnte es einfach nicht mehr verdauen. Selbst die Kleinstmengen Schonkost, die ich ihr gekocht habe nicht. Es war also so, dass sie immer weniger gefressen hat und das immer kürzer bei sich behalten hat. Alles kam schließlich unverdaut wieder raus. In den letzten Tagen wollte sie gar nichts mehr fressen. Ach ich konnte es nicht mehr mit ansehen.
Es ist gut so wie es ist, die Zeit war gekommen. Ich bin innerlich ruhig, aber auch einfach sehr müde, weil mich die Betreuung in letzter Zeit unglaublich viel Kraft gekostet hat. Die Trauer ist sehr schmerzhaft und darf es auch sein.
Die Erinnerung an Priska habe ich ganz tief in meinem Herzen und da bleibt sie auch.
Sie war ein Geschenk des Himmels für mich, deshalb habe ich sie auch oft meinen Hundeengel genannt. Sie hat mir so unendlich viel gegeben an Liebe und Kraft und Freude. Ich bin zutiefst dankbar, dass ich sie bei mir haben durfte.

Die Collagezeigt eines der ersten Fotos von Prika, im Alter von 5 Monaten, als sie zu uns kam und eines der letzten Fotos, an ihrem 15. Geburtsag, der letzte Tag an dem es ihr noch einmal recht gut ging und sie freudig ihr Leckerlie-Geschenk ausgepackt hat.